Mit Todesmarsch nach Chiasso legt Juval Marlon einmal mehr einen Film vor, der provozieren will – dabei jedoch inhaltlich weitgehend ins Leere läuft.
Im Zentrum steht der mittlerweile verstorbene Marco Klammer, der sich auf eine Reise nach Chiasso im Schweizer Kanton Tessin begibt, um das Grab seiner Kollegin Shivabel Coeurnoir zu besuchen. Begleitet wird diese Reise von Interviews mit Klammer und Isabelle Fitzgerald sowie von zahlreichen alten und neu gedrehten Filmausschnitten.
Was als dokumentarische Auseinandersetzung mit Verlust, Trauer und Selbstreflexion beginnt, verliert sich jedoch schnell in typischen Stilmitteln des Regisseurs. Die eingestreuten Szenen – die erneut stark auf explizite Darstellungen sexueller Gewalt und Tod setzen – wirken weniger wie eine inhaltliche Notwendigkeit, sondern vielmehr wie kalkulierte Provokation. Dadurch geht der dokumentarische Kern nahezu vollständig verloren.
Zwar gewährt Klammer intime Einblicke in seine Gefühlswelt, und stellenweise entsteht tatsächlich eine spürbare persönliche Tiefe. Auch der kurze Blick in die Underground-Szene besitzt einen gewissen Reiz. Doch all das bleibt fragmentarisch und unausgereift. Die emotionale Reise entwickelt weder erzählerische Spannung noch inhaltliche Substanz.
Am Ende stellt sich die Frage nach dem Mehrwert: Für eingefleischte Fans Klammers mag der Film eine besondere Bedeutung haben. Für alle anderen bietet er wenig Orientierung, kaum Erkenntnisgewinn und über weite Strecken schlicht Langeweile.
Der Todesmarsch nach Chiasso ist daher ein selbstreferenzielles Projekt, das mehr schockiert als bewegt – und dabei seine eigene Thematik aus den Augen verliert.