Wenn sich eine westliche Produktion anschickt, eine animierte Serie zu veröffentlichen, die im feudalen Japan angesiedelt ist und die um kulturell dort verwurzelte Themen kreist, dann mag man erst einmal skeptisch sein. Wenn das Ergebnis allerdings so aussieht wie die amerikanisch-französische Koproduktion „Blue Eye Samurai“, dann sollte man die Bedenken über Bord werfen und diese für ein erwachsenes Publikum konzipierte Reise mitmachen.
In der von Amber Noizumi und Michael Green kreierten und vom Studio Blue Spirit umgesetzten Animationsserie folgt man Mizu auf ihrem Rachefeldzug. Die Tochter eine Japanerin und eines Mannes aus dem Westen ist eine Außenseiterin, die ihre gemischte Herkunft verbergen muss, stößt sie damit doch auf Ablehnung in ihrer Heimat während der Edo-Zeit. Ihre blauen Augen verraten sie stets und diese sehen ihre Aufgabe darin, die vier Männer, die als ihr Vater in Betracht kommen, zu jagen. In ihnen sieht sie den Grund für ihr Dasein einer Ausgestoßenen und der Wunsch nach Vergeltung wurde so ihr Antrieb.
Dass sie sich ob der Zwänge als Mann ausgibt ist ein weiterer Baustein dieser an Details nicht armen und in der ersten Staffel mit acht Folgen bedachten Serie. Der visuelle Stil, eine Mischung aus 2D und 3D-Animation, deckt hierbei eine große Palette ab. Sowohl farbenfroh und finster, sowohl flächig als auch detailliert, aber eben auch mal leicht hakelig oder zu glatt wirkend. Insgesamt aber eine prächtige Präsentation, die das damalige Japan in sehenswerten Bildern einfängt.
Und diese sind kein Kinderkram. Gewalt, Blut, Sex und etwas Historie gehören hier zur Erzählung und ist dies auch nicht exploitativ, so finden sich diese Zutaten doch in einem nicht geringen Maße wieder. Dabei weiß die Serie dies aber immer passend und organisch in die Geschichte einfließen zu lassen. Stets finden sich hier Dramatik und auch Witz, die Mischung macht diese erste Staffel zu einem einnehmend erzählten Erlebnis.
Neben der oft bestechenden Optik und dem Design sind es die eigenwilligen Figuren, die „Blue Eye Samurai“ so interessant machen. Neben Mizu sind da noch Ringo (ein Koch ohne Hände), Akemi (eine willensstarke Prinzessin), Seki (deren Mentor), Taigen (ein „selbstbewusster“ Kämpfer) und andere illustre Figuren wie die Leiterin eines Bordells oder eben der Antagonist Abijah Fowler und seine japanischen Mitverschwörer. Das Ensemble ist breit gefächert, doch nie unübersichtlich eingebunden und sie alle wirken lebendig und wie eigene Charaktere. Von herzlich über ambivalent bis zu abstoßend findet sich da alles, auch in dieser Disziplin liefert die Staffel.
All dies in acht Folgen, die unterschiedlich lang sind. Und vielleicht ist dabei nicht jede Folge immer so zügig durchkonzipiert wie manch andere. Gerade Nummer sechs schlägt erzählerisch etwas aus der Art und mutet im Vergleich zum Rest etwas fremd oder zumindest weniger durchdacht denn grob an. Insgesamt ist die Erzähle aber stimmig und es war am Ende doch ein gutes Zeichen, dass ich sofort mehr sehen wollte.
„Blue Eye Samurai“ ist eine lohnenswerte Reise an Mizus Seite, ein spannender und mitreißender Blick in ein vergangenes Japan. Bildgewaltig, actionreich, charakterstark und sehr unterhaltsam.