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Leider ist dieser Klassiker des Woman in Prison – Genres in Deutschland gänzlich unbekannt, obwohl es sich definitiv um eines der sehenswertesten Beispiele handelt. Zumindest geht es hier nicht nur um das stumpfe abspulen verschiedener Genreklischees, Jack Hill hat sich mit der Inszenierung wirklich Mühe gegeben.

Die Atmosphäre ist richtig schön schmutzig und für einen solchen Lagerfilm absolut angemessen und trotz eingestreutem Humor bleibt der Grundton ernst und düster. Es handelt sich um eine kostengünstige Produktion aus der B-Schmiede von Roger Corman und am meisten wurde wohl am Drehbuch gespart. Das ist leider recht flach und bietet wenig Höhepunkte, nach dem Erfolg von „The Big Doll House“ drehte Hill „The Big Bird Cage“ nach eigenem Drehbuch und es gelang ihm ein weitaus besserer Film.

Hervorzuheben ist der Titelsong „Long-Time Woman“ der von Pam Grier selbst eingesungen und Jahrzehnte später auf dem Soundtrack zu Quentin Tarantinos Meisterwerk wieder veröffentlicht wurde. Zum Film passt er perfekt und Grier beweißt echtes Talent als Sängerin, in „The Big Bird Cage“ gibt es auch wieder eine Gesangseinlage von ihr.

Auch schauspielerisch liegt Pam mal wieder weit vorn, Kult-Star Sid Haig hat in diesem Film leider etwas wenig Präsenz. Dafür spielt er aber wie gewohnt eine unverschämt fiese, dennoch sehr sympathische Figur. Sämtliche anderen Schauspieler sind auf B-Film Niveau anzusetzen; dafür machen sie ihre Sache aber recht gut.

Der Gewaltpegel ist aus heutiger Sicht recht gering, dennoch herrscht ein sadistischer und frauenfeindlicher Ton vor und einige Brutalitäten wurden auch mit eingebaut. Folterungen gibt es hingegen nicht zu sehen, alles beschränkt sich auf zumeist unblutiges Peitschen oder Schlagen. Ein paar kleine Ausrutscher und eine Handvoll derber Details am Schluss des Films reicht dem Gorehound sicher nicht aus um sich diesen seltenen Film zu besorgen.

Catfights, Duschszenen und somit viele nackte Tatsachen garantieren einen recht hohen Erotikpegel, allerdings nur in dem Kontext das es sich um einen amerikanischen WIP-Film handelt. Im italienischen Kino gibt es weitaus explizitere Erotik innerhalb des Subgenres, allerdings selten die hier gebotene Qualität.

Alle die etwas für sleazigen Trash mit unbestreitbarem Kultfaktor übrig haben sollten sich „The Big Doll House“ mal ansehen, die bessere Alternative ist allerdings „The Big Bird Cage“ – wer es rüder mag und statt lockerer Stimmung lieber einen ernsten Frauengefängnisfilm sehen will ist mit „Doll House“ aber besser beraten als mit manch italienischem Nachzieher.


Fazit: Viel zu unbekannter früher Klassiker des Genres der sämtliche Fans begeistern dürfte, auf den normalen Zuschauer aus heutiger Sicht aber etwas langweilig wirkt.

6,5 / 10

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