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„I am Aleister Crowley and I was allowed to speak out of this girl’s body!”

Nach seinen „Shocking Asia“- und „Reise ins Jenseits“-Mondos präsentierte der österreichische Regisseur Rolf Olsen („Blutiger Freitag“) seinem Publikum im Jahre 1979 mit „Ekstase – Der Prozeß gegen die Satansmädchen“ eine billig heruntergekurbelte, wilde Mixtur aus Gerichtsfarce, Sleazetrash und reißerischem Mondo. Eine Gruppe weiblicher Jugendlicher steht vor Gericht und muss sich für einen Ritualmord an einem Mitschüler sowie die schwere Körperverletzung an dessen Kumpel verantworten. Die Früchtchen sind nämlich Mitglieder einer Sekte, die dem Beelzebub persönlich verfallen ist, wenngleich der Mord eher einem irdischen Motiv wie Eifersucht zuzuschreiben ist.

Olsens Film arbeitet auf drei Ebenen: Die filmische Gegenwart, die sich im Gerichtssaal abspielt und die treuen Sektenanhängerinnen als vollkommen uneinsichtige, nassforsche Brut zeigt sowie Richter, Staatsanwalt und Anwalt der Mädels, die sich Wortgefechte liefern. Die zweite Ebene ist die der Rückblenden, in denen gezeigt wird, was sich seinerzeit zugetragen hat. Die dritte Ebene ist die des Mondos, die anhand eingefügter Dokumentarsprengsel die Verteidigungstaktik des Anwalts verbildlichen soll, der unter Berufung auf zahlreiche mehr oder weniger eigenartige Gepflogenheiten aus aller Welt begreiflich zu machen versucht, was es an Okkultem etc. außer den Ritualmorden der Gören sonst noch so zu bestaunen gibt.

Als Darstellerinnen wählte man unbekannte Teenies, darunter wohl ein, zwei Pornosternchen, die allesamt recht nett anzusehen sind und mitunter dampfplaudern, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Das führt zu ungemein trashigen, herrlichen Schlagabtauschen vor Gericht, wobei der Höhepunkt sicherlich sein dürfte, als Aleister Crowley höchstpersönlich von einer der Dirnen Besitz ergreift und durch sie seine eingangs zitierten Worte spricht, woraufhin die Sitzung vertagt wird. Hätte ich auf einem Stuhl gesessen, wäre ich vor Lachen sicherlich von selbigem gekippt. Die Rückblenden indes sind Sleaze as fuck und zeigen uns nackt herumspringende Sektenmädels, die bei ihren Ritualen mit einem an einer Teufelsabbildung installierten Dildo masturbieren oder in Großaufnahme selbst Hand an sich legen, Dope rauchen, allerlei Hokuspokus und Mummenschanz betreiben und damit zumindest für das männliche Publikum werbewirksam das Erlebnispotential ihrer nicht ganz gemeinnützigen Vereinigung porträtieren.

Die Mondo-Ebene, die den Film letztlich auf seine Länge bringt, beginnt ebenfalls vielversprechend, wenn wortgewandt und in halbwegs sachlichem Ton auf Crowleys „Satan Church“ eingegangen und derartigen Umtrieben eine sozialkritische Note zugestanden, aber auch scheinheiligst gegen die Pornoindustrie gewettert wird, während explizite Hardcore-Bilder in die Kamera gehalten werden oder auch ganz einfach in reaktionärstem Ton gegen gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse revoltierende Jugendliche gehetzt wird. Wahnsinn, das ist wahrlich Exploitation in Reinkultur und die überspitzte Darstellung eines Konzepts, mit dem Privatfernsehen und Boulevardpresse noch heute ihr Geld verdienen. Schon bald aber flacht das Mondozeug zusehends ab und zeigt „exotisches“, vermutlich aus irgendwelchen Dokumentationen zusammengeklautes, möchtegernschockierendes oder -erstaunliches Zeug, das in diesem Film völlig fehl am Platze ist und den Zuschauer auf eine harte Geduldsprobe stellt, der nicht irgendwelche Wunderheiler, religiöse, sich selbst geißelnde Spinner, Haifischjäger mit abgenagten Gliedmaßen oder widerwärtige Elefantenjagden, sondern viel lieber die feschen Satansbräute sehen möchte. Dass die Zusammenhänge mit der eigentlichen „Handlung“ schamlos an den Haaren herbeigezogen sind und sich kaum bis gar nicht für eine Verteidigung vor Gericht eignen, versteht sich dabei von selbst.

Fazit: Absolut krude Mixtur, die außerhalb der Mondoebene prächtig nach bester Holzhammer-Sleazetrashmanier unterhält, zur Enttäuschung des Zuschauers die Satansbraten aber mit fortlaufender Spieldauer mehr und mehr zu einer sekundären Rahmenhandlung degradiert, die mehr gewollt als gekonnt den Mondomumpitz zusammenhalten soll. Prädikat: Unbewertbar.

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