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Der Titel ist kultig: „C.H.U.D.“ steht für Cannibalistic Humanoid Unterground Dweller – doch der Film an sich ist leider nicht ähnlich abgefahren.
Besagten Untergrundviechern fallen diverse New Yorker Bürger zum Opfer, was natürlich auffällt. Das Verschwinden diverser Obdachloser fällt zwar nur dem Betreiber einer Suppenküchen auf sowie einem Fotographen, der diese regelmäßig ablichtet, doch als Leute aus anderen Schichten verschwinden, kann der zuständige Polizeicaptain Bosch (Christopher Curry) nicht mehr weggucken. Alle drei Figuren, Sozialarbeiter, Fotograph und Cop finden in den ersten Filmminuten immer mehr Anzeichen, während der Zuschauer direkt zu Beginn dem Überfall auf eine Frau beiwohnen darf, die in die Kanalisation gezerrt wird.
Tatsächlich wissen einige Behörden bereits ansatzweise Bescheid und versuchen die Sache zu vertuschen, doch das Trio drängt, jeder auf seine Weise, auf Klärung der Sache. Doch bald merkt man, dass man die Kreaturen unterschätzt hat...

Bei einem Titel wie „C.H.U.D.“ mag man an Anarcho-Humor denken, an eine Kannibalen-Organisation, die sich den Titel selbst gegeben hat und Jagd auf Bürger macht, aber nix dergleichen. Den Titel erhalten sie von einem Behördenchef, sie sehen auch aus wie Jack Arnolds Schrecken vom Amazonas mit gepimpten Leuchtaugen und Intelligenz oder Sprachvermögen besitzen sie auch nicht. Da die Tricks auch für die damalige Zeit nicht gerade auf der Höhe sind, also eher uninteressante Monster, auch wenn „C.H.U.D.“ immerhin mit dem Charme eines handgemachten B-Pictures hausieren gehen kann und immerhin so einige Sympathien einfährt.
Ganz putzig ist auch die Teilnahme von Daniel Stern, der sonst gegen Macauly Culkin und nicht gegen Kannibalen antrat, als Ex-Krimineller und jetziger Fürsorger. Die Rolle des schrägen, aber ehrlichen Streiters für gleiches Recht füllt er aber ziemlich gut aus. John Heard als Fotograph und Christopher Curry als Polizist sind ganz OK, aber schwächer als Stern, und auch Kim Greist in der Rolle der Fotographen-Freundin braucht nur die übliche Scream-Queen zu verkörpern.

Leider ist auch „C.H.U.D.“ eines von jenen B-Filmchen, die eine straffere, geordnetere Handlung vertragen können. So begegnen sich die drei Streiter fürs Recht nur gelegentlich, es dauert recht lang bis sie einander überhaupt treffen, während der Zuschauer sofort weiß was Sache ist. Zudem wirken die Monster nicht so recht bedrohlich: Sie holen sich gelegentlich mal Opfer von der Oberfläche, gefährlich wird es aber erst durch das Verschweigen der Behörden und wie viele es überhaupt gibt, wird auch nie klar – auch nicht, ob man am Ende denn nun alle Biester erwischt hat.
Dafür hat „C.H.U.D.“ immer wieder gelungene Einzelszenen. Gerade die Monsterhände, die Deckel hochheben, verbreiten klassische Gruselstimmung – mehr als die Monster in Gesamtansicht, wenn die Tricks durchschaubar werden. Der Überlebenskampf der Freundin in der Wohnung ist ein echtes Spannungshighlight und auch der sozialkritische Subtext ist nicht ohne: Das Verschwinden Obdachloser kümmert kaum wen, erst wenn es reiche Bürger oder gar jemanden, den man kennt, trifft, dann ist großer Alarm angesagt – selbst der Polizeichef ist vor diesem Denken nicht gefeit.

Jedoch helfen solche Vorzüge nicht gegen das Fehlen einer stringenten Handlung. Sicher ist „C.H.U.D.“ durchaus charmant, hat einen gut aufgelegten Daniel Stern und einige gelungene Momente zu bieten, aber man hätte wesentlich mehr aus dem Stoff machen können.

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