Die tiefreligiöse Studentin Mia bereitet einen Vortrag über ein abstraktes Gemälde vor, in dem einige Betrachter nach eigenen Angaben das Antlitz Gottes zu erkennen glauben. Zunächst ist Mia doch arg enttäuscht, dass ihr selbst keine derartige Offenbarung zuteilwird... bis plötzlich innerhalb der Schwarzflächen des Bildes zwei Augen erscheinen und sie anstarren... "Portrait of God" ist mal wieder ein prima Besipiel für einen gewitzten Kurzfilm, der ohne großen Aufwand echt ungemein wirkungsvoll daherkommt, indem er ganz geschickt eine absolut unheimliche Stimmung erzeugt und diese dann auch flott zu einem ziemlich effektiven Höhepunkt treibt. Regisseur Dylan Clark hat sich von dem praktischen Nichts an Mitteln, das ihm zur Verfügung stand, auf alle Fälle mal nicht ins Bockshorn jagen lassen und alleine durch seine bewusst vage und zu einem gewissen Grad auch diffuse Inszenierung ein enormes Kapital aus gerade mal einer Darstellerin, einem einzigen dunklen Raum als Drehort und ein klein wenig digitaler Trickserei geschlagen... und damit mal wieder den Beweis abgeliefert, dass eine gute Idee im Zentrum einen Mangel an sonstigen Ressourcen allemal kompensiert. In seiner Quintessenz ist "Portrait of God" nämlich Horror pur, der ohne großen Effekt-Aufwand verstört und nachwirkt... und dessen Schrecken im Endeffekt sogar fast schon kosmische Dimensionen erreicht. Hut ab!
7/10