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Staffel 1

Er ist mit Leib und Seele Polizist und obendrein ein harter Hund, der Brasilianer Benício (Romulo Braga), doch seitdem sein langjähriger Kollege bei einer Schießerei ums Leben kam, will keiner der anderen Cops mehr freiwillig mit dem impulsiven Vierzigjährigen auf Streife gehen. Nur Suellen (Maeve Jinkings), die gerade Mutter geworden und der das Babysitten zuhause zu langweilig ist, nimmt das Risiko auf sich. Nach kurzer Eingewöhnungsphase bilden die beiden ein zwar ungewöhnliches, aber sich hervorragend ergänzendes Team.
Das ist auch bitter nötig, denn in dieser Gegend Brasiliens, in Foz do Iguaçu, direkt an der Grenze zu Paraguay gelegen, nehmen die brutalen Raubzüge organisierter Verbrecherbanden immer mehr zu. Gerade wurde wieder ein Institut in Paraguay um mehrere Millionen erleichtert, wobei gepanzerte Fahrzeuge, Artilleriewaffen und Sprenstoff eingesetzt wurden. Benício vermutet, daß eine brasilianische Bande dahintersteckt, kann seinen Verdacht aber nicht beweisen. Dazu benötigt er nämlich DNA-Spuren, deren Sicherstellung und Sammlung in einer Datenbank in Brasilien noch in den Kinderschuhen steckt. Doch unter dem neuen Dezernatsleiter Rossi (Pedro Caetano) wurde in Benicios Dienststelle auch ein junger Uni-Absolvent eingestellt, der sich, von den älteren Kollegen noch belächelt, mit Feuereifer ans Werk macht.
Die Taktik der verschiedenen, auch untereinander konkurrierenden Banden, besteht darin, mit einer großen Anzahl Mitgliedern ganze Straßenzüge zu sperren, Polizeistationen zu besetzen und dann in aller Ruhe Banken auszurauben, wobei schweres Gerät eingesetzt wird. Da die bekannten Banden derzeit allerdings jede für sich in ihren Revieren beschäftigt sind, vermuten Rossi und sein Team, daß eine übergeordnete graue Eminenz, die unter der schlichten Bezeichnung die Organisation bekannt ist, etwas Größeres plant. Bisher gelang es nicht, jene Organisation zu infiltrieren, bis auf den suspendierten Polizisten Moreira (Guilherme Silva), der zwar an den Lagebesprechungen teilnimmt, von den anderen jedoch mißtrauisch beäugt und gemieden wird.
Als Benício einen Festgenommenen mangels Beweisen wieder laufen lassen muß, erkennt er zu spät, daß jener merkwürdig unaufgeregte Verdächtige das Bindeglied zur Organisation darstellt: sauer auf sich selbst, setzt der Cop nun alles daran, den Soulless genannten Verbrecher wieder festzunehmen...

Die brasilianische Produktion DNA do Crime bietet eine weitere Krimi-Serie aus dem Dunstkreis des organisierten Verbrechens, bei der weitgehend, aber nicht nur, aus der Perspektive der Ermittler deren oftmals vergebliche Bemühungen geschildert werden. Ein Draufgänger-Typ als Hauptdarsteller und sein weiblicher Sidekick jagen einen unheimlich kontrolliert auftretenden Killer, der noch dazu Bibelverse rezitiert. Garniert mit umfangreichen Shoot-Outs auch aus der Drohnenperspektive sowie als Subplot die (später erfolgreiche) Einführung der DNA-Spurenermittlung bei der brasilianischen Polizei ergibt sich in 8 Teilen zu je etwa 55 bis 60 Minuten eine durchaus abwechslungsreiche Serie, die am Ende erwartbarerweise die Cops in der Siegerrolle sieht - auch dank der inzwischen etablierten DNA-Datenbank.

Zwar folgt das Geschehen in Code des Verbrechens (so der deutsche Titel bei Netflix) weitgehend bekannten Pfaden (der stets vom Chef eingebremste übereifrige Cop, der kurz vor einer Suspendierung steht, ist jetzt nicht wirklich etwas Neues), kann mit seinen geschickt platzierten Verdachtsmomenten gegen einen Undercover-Agenten (von dem man nie recht weiß, auf welcher Seite er eigentlich wirklich steht), der in US- und europäischen Polizeiserien nie thematisierten Spurensicherung (deren junger Apologet hier noch selbst in Mülltonnen requiriert und mit jugendlichem Elan seine Kollegen dafür zu begeistern versucht) sowie einem geheimnisvollen Bösewicht (der offensichtlich auch eine gute Seite in sich verbirgt) durchaus für Kurzweil sorgen. Dazu kommen einige brachial inszenierte Überfälle und Schießereien (auch von oben und in Zeitlupe), die sich vor thematisch ähnlich gelagerten Produktionen nicht zu verstecken brauchen.

Abstriche muß man hier nur wenige machen, denn obgleich manchmal auch das kaum spannende Privatleben der Hauptdarsteller kurz in den Fokus rückt (Suellen entfremdet sich ihrem Mann, der nur noch als Babysitter zuhause hockt, während Benício sowieso kein Privatleben hat und hatte, daher zweimal kurz mit irgendjemand völlig Unwichtigem in die Kiste hüpft und ganz zum Schluß von der Regie noch einen verlorenen Sohn aus dem Hut gezaubert bekommt - gähn) steht hier ganz klar die temporeiche Verbrecherjagd im Mittelpunkt. Die bislang teuerste brasilianische Netflix-Produktion hat sich somit solide 7 Punkte verdient.

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