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Nebel, Sumpf und Kindermorde

Ein kleiner Junge, seit über 25 Jahren vermisst, wird gesucht. Von seiner damals besten Freundin, die ihm beim Verschwinden emotional wie örtlich sehr nah war, von seinem verzweifelten Vater und anderen, die bei der Suche helfen und ihn vermissen. Doch das Moor von England ist groß, sodass die Chancen ihn bzw. seine Leiche zu finden klein sind. Doch gerade seine nun erwachsene Freundin spürt immer wieder eine gruselige Aura und mysteriöse Erscheinungen rund um das weitläufig-sumpfige Gebiet voller Nebelschwaden und Geheimnisse...

The Matsch Murder Project

Eine Zeit lang dachte ich, das wäre eine britische Version des niederländischen "Moloch", da sich Titel, Geschichte und Poster so ähneln. Aber nein - zwei verschiedene Filme, zwei verschiedene Moore... Im beeindruckend atmosphärischen "The Moor" wird die ganze Weite, Breite und Tiefe der britischen Sumpfaura zusammenkonzentriert. Gäbe es 4D-Kino, würde hier definitiv niemand die Daunenjacke ausziehen. Das ist kalt, das ist nass, das ist ungemütlich. Überall die Möglichkeiten von aufploppenden Leichen oder zumindest alten Kinderschuhen. Oder direkt Geistererscheinungen. Das kriecht den Nacken hoch und verlässt diesen während der ausführlichen 120 Minuten auch nicht mehr. Das braucht nicht unbedingt Jumpscares oder Monster. Es ist an sich das Monster. Wenige, dafür ziemlich gut gezeichnete Figuren. Solide Schauspieler. Ruhe und das Wissen um seine Macht über den Zuschauer. Fieses Sounddesign. All das hilft beim klassischen Schauer. "The Moor" ist sich dazu stilsicher bewusst über seine britischen Gruselwurzeln. Man fühlt den Stammbaum. Man fühlt, dass da etwas hinter dem Nebel ist. Man fühlt, dass diesem Jungen Schreckliches passiert ist. Man spürt, dass England hier seinen emotionalen und unmenschlichen Müll auskippt. Clever bereichert durch einzelne Interviews und Found Footage-Momente. Aber die Balance stimmt, aus Moderne und Klassik. Der hätte auch von einem Ben Wheatley in Topform sein können. Verstörend, betörend, empörend. Untergründig röhrend. Zutiefst menschlich, traurig, dunkel. Eisig. Fröstelnd. Aber aufgepasst: Vielen mag das an handfestem Horror zu schwachbrüstig sein... und auch für mich hätten es ein paar mehr laufende Moorleichen sein können.

Fazit: tolle Kombi aus True Crime-Mockumentary, Gänsehautcollage und Geistergeschichte mit atemberaubenden Landschaften und einer zum Schneiden dichten Atmosphäre. Einlullend. Einnehmend.

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