Review

„Ich habe eine Bombenidee für einen Film!“ – das hört man vermutlich viel zu oft, wenn es darum geht, einen neuen Stoff zu pitchen und allzu schnell fällt man als Produzent vermutlich auch darauf rein, wenn der- oder diejenige das gut genug verkauft.

Das Problem ist: eine Idee macht noch keinen Sommer und man braucht ja noch das Eine oder Andere mehr, z.B. ein gutes Drehbuch, überzeugende Darsteller, hübsche Tricks und ein paar Schauwerte.

Und dann kommt man an „Arctic Void“; die so ziemliche alle Elemente davon samt kleinem Geld mit sich führen – und dennoch fährt das Ding an die Wand. Aber nicht ganz und deswegen nehmt diesen Beinahe-Verriss mit einem Spier Salz.

Also Pitch: eine Gruppe von Leuten düst mit dem Schiff in die Arktis, dann verhalten sich plötzlich alle Tiere seltsam und dann sind bis auf drei People plötzlich alle übrigen verschwunden und driften einer ehedem russischen Siedlung im Nordlande auf der Suche nach einer Erklärung entgegen.

Klingt schön mysteriös, ist es auch. Allein, dass ich mir nicht schon wieder irgendeinen Kack in einer Waldhütte, beim Wandern im Nirgendwo oder beim Baden auf einer thailändischen Fluch-Insel anschauen muss, macht die Sache interessanter und tatsächlich funktioniert der Film im ersten Expositionsdrittel auch super.

Mehrere Grüppchen Wissenschaftler oder Gelehrte heuern bei einem norwegischen Rauschebart am Nordkap an, um mit dem Schiff gen Svalbard zu schippern, einer noch viel nördlicher gelegenen Ortschaft (existiert wirklich), um alles Mögliche zu untersuchen. Die Stimmung ist ganz happy, zu picheln gibt es genug und irgendwer grill Minkwalsteaks (was vermutlich nur die Norweger dürfen, weil die immer noch einen Walfangfetisch haben).

Im Fokus stehen ein Dokumentarfilmer (kommunikativ), sein Regisseur/Produzent (Eheprobleme!) und deren Kameramann (kurzfristig eingesprungen, den anderen beiden unbekannt). In der Folgen tauchen mysterygerecht auf: eine Möwe mit sehr schwarzen Augen, ein ihren Nachwuchs meuchelndes Walross (mäßig animiert, was solls) mit schwarzen Flecken und offenen Wunden am Körper und diverse Vogelschwärme die seltsam im Kreis fliegen. Plötzlich machts klick und unsere Fokusgruppe ist allein an Bord. Alle übrigen haben sich buchstäblich in Luft aufgelöst, die Elektrik funktioniert auch nicht richtig und über das Funkgerät hört man nur dissonantes Geschrontze.

Erschwerend kommt hinzu, dass der arme Regisseur plötzlich schwarze Flecken und offene Wunden entwickelt und zunehmend kränker wird. Irgendwann driftet man Svabald entgegen, welches sich als übergreifend ex-russischer Stützpunkt entpuppt.

Ab diesem Punkt beginnt der Film abzubauen. Die Filmemacher verließen sich – offenbar – zunehmend auf die großartige Lost-Place-Kulisse und fuhren das Storytelling zunehmend runter. Also schleppen sich die drei nun durch Hallen, Räume und Gebäude und finden sogar noch eine Ecke, wo es Strom, einen Fernseher und heiße Suppe gibt, aber leider keine lebendigen Insassen. Derweil darf man dem weiteren Zerfall des armen Regisseurs beiwohnen, bekommt auch noch einen schlecht animierten Eisbären präsentiert (ist aber nicht schlimm) und irgendwann geht dann – so kompliziert ist die Chose dann doch nicht – der Filmer dem Kameramann an die Gurgel, um zu klären, was hier so abgeht.

Was das ist, werde ich hier nicht verraten, aber dann sind sowieso nur noch wenige Minuten auf der Uhr, nachdem man mehr als eine halbe Stunde durchs Niemandsland mit wenig Action gewandert ist.

Ist die Katze erstmal aus dem Sack, fragt man sich berechtigt, wie die Chose wohl enden soll und ich habe den schlimmen Verdacht, genau das haben sich die Filmemacher auch gedacht (der Filmemacher im Film ist auch der Drehbuchautor). Weil aber das Budget zu schmal war, haben sie den Film sehr hastig und sehr...ich sag mal...unbefriedigend zu ende gebracht, sehr semi-offen und mit leichten Anleihen an das fast schon vergessene Paranoiakino der 70er.

Nichts gegen nicht hundertpro aufgeklärte Sachen, aber gerade weil die kleine Produktion zuvor so rund geraten und die Locations absolut super sind, fehlt dem Film einfach der nötige runde Schlenker, sondern man stiehlt sich quasi mit der einfachsten Lösung aus der Verantwortung. Damit vermeidet man auch die Hypothek einer Botschaft und legt das Gewicht auf visuell interessante Vordergründigkeit.

Die Darsteller sind okay, wenn auch der zunehmend kranke Regisseur mit seinem halb überwältigten Gesabbel einem bald auf den Trichter geht, die Tricks so gut, wie man es mit CGI zweiter Klasse halt kriegen kann und Kulisse und Spannungsbogen stimmen, auch wenn man in der zweiten Hälfte deutlich noch ein paar Highlights hätte setzen können, anstatt nur ein postapokalyptisches Wanderdrama daraus zu konstruieren.

Grundsätzlich kann ich den Film nur empfehlen, einfach weil er sich etwas traut und aus seinen Möglichkeiten (bis auf das Drehbuch) wirklich das Maximale rausholt, aber leider sättigt er am Ende nicht genügend, um über 6/10 hinauszukommen. Aber das soll damit kein Verriss werden, dafür ist der Film fast schon zu freundlich old style im Sinne der seligen 1970er.












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