Auch der seit Jahren bemühte Boogeyman hat sich eine Ergründung seiner Wurzeln verdient, obgleich diese wahrscheinlich von Kultur zu Kultur recht unterschiedlich ausfallen dürften. Schließlich wird der Bösewicht im spanischen Raum „El Hombre Del Saco“ genannt, was auch dem Originaltitel entspricht. Herausgekommen ist eine Mischung aus Dämonenhorror und Jugendabenteuer.
Nach dem Umfalltod ihres Mannes zieht eine Mutter mit ihren Kindern in eine Provinz in Almeria. Hier verschwinden seit Wochen spurlos Kinder und die Legende des Schwarzen Mannes geht um, der in einer verlassenen Villa hausen soll. Ein paar Kids tun sich zusammen, um das Geheimnis des übernatürlichen Entführers zu ergründen…
Den Ursprung des Übels liefert Regisseur Ángel Gómez Hernández sogleich mit der Exposition, als anno 1910 ein Junge das Opfer eines Schwarzmagiers wird, der kurz vor seiner Hinrichtung alle nachfolgenden Generationen verflucht. Und gerade haben sich die drei Halbwaisen zu den Nachbarskindern gesellt, verschwindet eben ein solches.
Hier schimmern deutlich Vorbilder wie „Stranger Things“ durch, aber auch Spuren von „Jeepers Creepers“ und den „Goonies“ sind auszumachen. Ein Hauch von zeitlos anmutender Nostalgie durchströmt bisweilen das Szenario, wenn Kids auf ihren Rädern diverse Orte aufsuchen, um dort im Sinne einer Mutprobe verfluchte Orte zu untersuchen. Die Figurenzeichnungen sind gelungen, die Kids sind treffend besetzt, nur lässt das Böse in konkreter Gestalt recht lange auf sich warten.
Stattdessen werden etliche jump scares bemüht, die in ihrer Form beileibe nicht kreativ ausfallen und mit weggezogener Bettdecke auch eher selten einen kleinen Schauer über den Rücken laufen lassen. Da die Geschichte aus jugendlicher Sicht geschildert wird, liegt ein weiterer Schwerpunkt auf dem Fehlverhalten einiger Erwachsener, es geht um Schuldzuweisungen und Vergebung, aber nur selten um eine wirkliche Suche nach der Wurzel des Bösen.
Entsprechend unausgegoren chargiert der Stoff zwischen Coming-of-Age und abgemilderten Horror, der zu keiner Zeit übermäßig blutig oder gar boshaft ausfällt. Und obgleich für den finalen Akt der biegsame Javier Botet mit einer Masse an Latex bemüht wird, kann dieser seine Skills kaum effektiv ausspielen. Zudem wird der Showdown mit deutlich zuviel Kitsch angereichert, - spätestens als Glühwürmchen auftauchen und das Kollektiv an Eltern einen tränenreichen Sinneswandel durchmacht.
Immerhin ist produktionstechnisch wenig anzukreiden und selbst die wenigen Perspektiven per Handyvideo schüren phasenweise Suspense. Ansonsten fallen die Effekte erahnbar bis uninspiriert aus, wobei die Auswahl an düsteren Schauplätzen zu den Pluspunkten zählt und im Kontext mit dem teils markanten Score eine passable Atmosphäre schürt. Darstellerisch wird tauglich geliefert und mit weitgehend sympathischen Charakteren hantiert, doch storytechnisch ist es nicht das, was man vom Ursprung des Boogeyman erwarten würde, da der Stoff unterm Strich zu weichgespült daherkommt.
Knapp
5 von 10