Review

Kenji stirbt bei einem schrecklichen Unfall? Attentat? und lässt seine Freundin Haruka zurück. Über der Frage was länger dauert, die Zeit vor der Geburt oder die nach dem Tod, reisen wir durch die Zeit und lernen Kenji und Haruka kennen. Zur Zeit ihrer Beziehung. Lange bevor sie sich jemals kennengelernt haben. Und in einem neuen Leben, in dem sie wieder ein Paar sind und Kenji schattenhafte Erinnerungen an ein früheres Leben hat. Das verbindende Element ist immer der Tod. Derjenige Tod, der sich von Haruka vor ihrem Ableben zwei Finger in den Arsch stecken lässt. Und der Kenji vor dessen Tod durchvögelt …

Bei Oliver Nöding lese ich in einem ganz anderen Zusammenhang zwei Zeilen, die TOKYO X EROTICA ziemlich perfekt wiedergeben. Da wäre zum einen der Ausdruck „ …zeichnet er ein Bild von allumfassender urbaner Einsamkeit, von Entfremdung, Leere und Ziellosigkeit.“ (1) Auch wenn sich Regisseur Zeze als hoffnungslos-philosophischer Romantiker erweist, so ist das Leben in der Großstadt, das Nebeneinander-Leben genauso wie das Alleine-Leben, hier immer wieder präsent. Die Einsamkeit der Figuren ist immens, und kulminiert in mehr oder weniger ziellosem Sex, nur um die eigene Leere des Daseins zu übertünchen.
Der andere Satz, aus der gleichen Besprechung lautet „Klassisches Erzählkino sollte man hier nicht erwarten und auch die oben versuchte Inhaltsangabe ist eine eher hilflose Skizze.“ (1) TOKYO X EROTICA mäandert hilflos zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her, lässt den Zuschauer mal hier eine Geschichte erleben die scheinbar nichts mit Kenji und Haruka zu tun hat, und packt ihn dort mal eben in eine andere Geschichte, wo dann der Zusammenhang vielleicht etwas deutlicher scheint, die Bedeutungslosigkeit einer Narration aber dem Zuschauer mit der gleichen Intensität um die Ohren gehauen wird. Es mag sicher sein, dass mein kleiner Intellekt die ganze Größe dieses Filmes nicht erfassen kann, zumindest erklärt mir der Regisseur dies, aber letzten Endes habe ich mich in dem erzählerischen Wirrwarr, den unerotischen Erotikszenen und dem philosophischen Geschwätz unendlich gelangweilt. Nicht nur dass das „Erzählkino“ hier ausbleibt, auch Dinge wie eine Spannungskurve oder zumindest eine assoziativ- atmosphärische Bildersprache fehlen völlig. Unter dem Eindruck des U-Bahn-Attentats im Jahr 1995 hat sich Zeze wohl so seine Gedanken gemacht über Leben und Tod, über Wiedergeburt im Zeichen der Liebe und über den Tod als Persönlichkeit. Interessante Gedanken, zweifellos, aber in eine filmische Umsetzung gepackt, die versucht, philosophische Inhalte mit (soft-) pornografischen Bildern zu verknüpfen, und dabei nichts als dümmliches Gerede mit weitgehend unerotischen Darstellungen produziert. Gerade mal, dass es spannend ist zu sehen, was ein Pinku Eiga-Film nicht alles sein kann. Alles nicht sein kann …

(1) https://funkhundd.wordpress.com/2017/10/03/lolita-vib-zeme-hisayasu-sato-japan-1987/

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