Das Herz vom Rennfilm liegt normalerweise auf dem Asphalt. Geschwindigkeit, Rivalität, Risikobereitschaft, Adrenalin. All dies vereint ein Genrestreifen bestenfalls mit fulminanter Action, während das Drumherum eher Fassade bleibt. Bei vorliegendem Sportdrama, welches vage auf wahren Tatsachen beruht, geht es mehr um den Konkurrenzkampf, der eher selten mit Action einhergeht.
1983: Die Rivalität der Formel1-Bosse geht in eine neue Runde. Während Audi-Manager Gumpert (Daniel Brühl) immer noch von dem neuartigen Vierradantrieb zehrt, hinkt Cesare Fiorio (Riccardo Scamarcio) mit seiner Technik für Lancia meilenweit hinterher. Zwar kann er den renommierten Fahrer Walter Röhrl (Volker Bruch) für sich einnehmen, doch die Zeit in dieser Saison läuft gegen ihn…
Was den Machern um Regisseur Stefano Mordini ausgezeichnet gelingt, ist die Zeitreise in die frühen Achtziger, die sich teils mit Archivaufnahmen gekonnt vermengen. Es gibt wunderbare Einblicke in Gegenden von Turin oder San Remo, die Ausstattung ist auffallend detailverliebt und selbst Zuschauergruppen am Rand der Strecken wirken wie wahre Relikte jener Zeit. Auch der Score passt mehrheitlich, während die Etablierung der wesentlichen Figuren nur zum Teil gelingt.
Röhrl, der sich eigentlich bereits aus dem aktiven Rennleben zurückgezogen hatte, um Bienen zu züchten, bleibt eine angenehm geheimnisvolle Gestalt weniger Worte. Im Zentrum steht hingegen Fiorio, bei dem Gewinnen und das damit verbundene Prestige ganz vorne steht, weshalb er auch zuweilen am Rande des Legalen agiert, dem Gegner falsche Tatsachen vorheuchelt oder sogar die Kommission mit einem Mittagessen ablenkt, um im Hintergrund falsche Tatsachen vorzubereiten. Der Mann kommt insgesamt nicht übermäßig sympathisch rüber, seine Motivation ist jedoch nachvollziehbar.
Demgegenüber verkommt die Figur von Brühl als reiner Platzhalter, über den man fast nichts erfährt und auch eine hinzu gewonnene Ernährungswissenschaftlerin ist nur dazu da, etwas mehr Moral in die Angelegenheit hinein zu legen. Die jeweiligen Rennen sind zwar in entsprechende Etappen aufgeteilt, doch einige erfahren mehr Betonung als andere, während das Reglement und die Punktewertungen für Laien kaum nachvollziehbar sind, da Lancia einige Rennen bewusst auslässt, beim folgenden aber wieder an Audi anschließen kann.
Das eigentliche Manko sind jedoch die Rennen als solche, denen es durchweg an Dynamik und Nervenkitzel mangelt. Es gibt kaum direkte Duelle zu verzeichnen und obgleich die Vogelperspektiven angenehm übersichtlich gestaltet sind, bringen schnelle Schnitte zwischen Nahaufnahmen des Fahrers, Teile des Innenraums und die ziemlich nahe Sicht auf den Asphalt eher wenig. Es mangelt definitiv an Spannung, was sich bis zum Ende des Showdowns abzeichnet.
Da lenken die überzeugenden und teils charismatischen Darsteller nur wenig von der Tatsache ab, dass es hier schlicht an Drive mangelt, das Mitfiebern nie über Sparflamme hinausgeht und trotz der sauberen Ausstattung selten ein Mittendrin-Gefühl entsteht. Für Rennhistoriker nicht ganz uninteressant, für reine Actionfreunde eher ernüchternd.
Knapp
5 von 10