Review

Dideldum, wieder mal ne Runde durch die freundlichen Ramschbewahrer auf youtube gedreht und nach dem Zufallsprinzip was ausgewählt. Und hurra, ein echter, fast vergessener Kackfilm erblickt mal wieder das Licht der Reviewwelt.
„Superstition“ – zusammengeschustert anno 1982 – und bei uns interessanterweise besser anglifiziert unter dem Titel „The Witch“ auf VHS gebannt, ist einer dieser vergessenen Slasher, die allesamt in der Heckwelle der großen Horrorexploration von 78 bis 81 auf ein gieriges Teenagerpublikum losgelassen wurden.
Und wer hat den großen Käse produziert, so erstrahlt es während der Vortitel vom Monitor: Mario Kassar und Andrew G. Vajna – genau die Jungs, die ein paar Jahre später das ganz große Magazin abfeuerten und ihr Geld in so unbekannte Kracher wie „Rambo“ (alle drei), „Terminator“ (alle vier), „Total Recall“ oder „Stargate“ steckten; beide die Köpfe von Carolco Entertainment. Bevor aber der ganz große Run kam, investierten sie noch schnell in zwei Horrorfilme, den mehr als angesehenen „Das Grauen“ (mit George C. Scott) und eben „Superstition“, der so quietschvergnügt bescheuert ist, daß ich ihn trotz faustgroßer Plotlöcher sofort lieb hatte.

So haben wir dann hier auch keinen reinen Slasher, sondern eine muntere Mischung unterschiedlichster Subgenres, vom Slasherbodycount über historisch fundierten Okkultkäse bis hin zur Dämonenattacke Marke „Amityville“, die hier aus allen Fenstern lacht.
Demzufolge geht es – natürlich – um ein gar böses Haus. Sollte man denken! Eigentlich geht’s um einen gar bösen Teich, aber das kommt natürlich nicht so krass. Also ran ans Gemächt mit einem genreferentiellen Joke, bei dem zwei frisch geföhnte Rumfummler in ihrem Auto vor besagtem Haus am See ganz tierisch erschreckt werden. Der Gag besteht darin, daß die Spaßmacher kurz darauf ein gar schröcklich Ende nehmen, bei dem die rote Soße gleich reichlich fließt, unter Tatverdacht stehen dabei eine unsichtbare Präsenz (POV-Sicht, Halloween-Verweis), die örtliche Mikrowelle (läuft super für ein seit x Jahren leerstehendes Haus) und ein hartnäckiges Schiebefenster, daß keine und gerade deswegen nur halbe Sachen macht, wenn man durch es durchklettern will.

Eine wahrhaft beruhigende Unterkunft – wie die angejahrte Nachbarin im Hexenmodus („Ich darf das Gebäude nicht betreten!“) und ihr angeblich stummer, stark bekloppter Sohnemann (Bombenverdächtiger!) beweisen.
Weil aber die Kirche so nett und fürsorglich ist, richtet sie trotz der Todesfälle das Haus in der Folge her, denn schließlich hat sich Reverend George mit Frau und drei Kindern angekündigt, die ja irgendwo wohnen müssen.
Wie zu erwarten ist, gehen die Bau- und Renovierungsarbeiten nicht ohne Zwischenfälle ab, noch bevor unsere bevorzugten Opfer einziehen können, haben in diesem Film schon sensationelle fünf Personen den Löffel abgegeben und dreimal so viele sollen es noch werden.

Derweil runzelt ein jüngerer Priester ob der Vorkommnisse (u.a. geht sein Vorgesetzter recht malerisch über den Jordan) zwar tierisch die Stirn, macht aber genauso wenig Effektives wie der Klischeebulle vom Dienst, der ständig im Gebüsch sitzt (andere Fälle: Fehlanzeige) und natürlich nur den stummen Dummerjahn einkassieren will.
Alles und nichts ändert sich in dem Moment, als das Haus dann endlich bezogen wird: im Keller rumpelts, ein geheimnisvolles kleines Mädchen taucht auf und verschwindet wieder, aus dem Teich vor dem Haus wird ein Silberkreuz geborgen und eine Schwimmrunde endet mit einer halbverfaulten Hand samt Unterarm als Fußkettchen.
Zum Vergnügen der Zuschauer scheint hier aber niemand daraus auch nur einen brauchbaren Schluß zu ziehen (z.B. daß Totenhände ja nicht zugreifen können sollten…), denn die Neuankömmlinge haben ihre eigenen Probleme. Dad hat schon seit längerer Zeit ein inniges Verhältnis zu seiner Fuselbuddel im Keller, Mom ist vergrätzt und die beiden Teenagertöchter laufen in so knappen Hotpants und Bikiniteilchen rum, wie man sie noch nie in geistlichen Familien öffentlich gesehen hat. Da richtet sich nicht nur beim jungen Geistlichen so einiges auf.
Womit wir dann an den Punkt kommen, der verdeutlicht, daß hier keine Verwandten gemacht werden: denn das dritte Kind, ein gar nicht mal unsympathischer Zwölfjähriger – also die eher zu vermeidende Opfergruppe – greift ebenfalls in den Besteckkasten. Von da an knallen dem Film endgültig alle Sicherungen durch: es gibt wunderbare Wachträume in Rückblendenform, die uns von einer gar finsteren Hexe erzählen, die man einst meucheln, aber damit nicht bannen konnte. Das Mobiliar entwickelt fröhliches Eigenleben, der Polizist schiebt den Fall in gekonnte Serienkillerrichtung, während um ihn rum die Leichen sich zu stapeln beginnen und als der Jungpriester dem mittelalterlichen Foltermärchen endlich auf die Spur gekommen ist, pflügt das Skript folgerichtig seinen kompletten Cast unter die Grasnarbe. Dabei geht man nicht eben zimperlich zu Werke, die Friday-the-13th-Macher hatten sicher den besseren Effektkünstler, roh und blutig ist es aber trotzdem.

Gesehen muß man diese 82-Minuten-Plotte aber definitiv, um sie glauben zu können, denn wenn nicht gerade der Sensenmann unterwegs ist, glänzt dieser Film mit Logiklöchern und „Plot Holes“ galore und mit depperten Dialogen noch dazu. Daß das alles nicht zusammenpaßt, ganz egal, sämtliche Bildfolgen sind nicht folgerichtig, sondern nur dazu da, dem Zuschauer sowas wie einen Zusammenhang vorzugaukeln – alles übrige ist billigstes Klischee und gerade deswegen so irre knuffig. Dennoch hat der Film wohl in den 80ern einigen Leuten eine brauchbare Gänsehaut verschafft, vorzugsweise, weil er weder einen Sympathen am Start hat, noch irgendeine Figur sicher scheint. Dieses „Aus-jedem-Schrank-könnte-es-springen-Gefühl“ hält einen permanent aufmerksam und dann ist es auch nicht so schlimm, daß das alles kreuzdoof ausfällt, weil nur lernresistente Figuren darin herumlaufen.

Wem dieser Film begegnet, kann sich damit einen netten Abend machen: er ist dumm, aber er ist nicht leer, stattdessen läuft er über vor Verweisen auf andere bekannte Horrorfilme und ihre Epigonen und das genügt ja auch, um solche Geister-Hexen-Dämonen-Exorzisten-Okkult-Slasher wenigstens kurzweilig zu gestalten. (5/10)

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