Review

Ursprünglich habe ich von The Witch nicht allzuviel erwartet; vielleicht ein wenig Atmosphäre, handgemachte Effekte und eine konventionelle Geschichte. Bekommen habe ich letztendlich mehr als erwartet, doch dazu gleich mehr.

Storytechnisch wird uns hier eine Collage bekannter Motive und Storys geboten: etwas Geisterhaus, die 0815 ich verbrenne die Hexe und sie kommt wieder um sich zu rächen Grundstory, dazu der junge ambitionierte Priester, der sich am Exorzismus versucht und dann noch einen einigermaßen mordrigen Teich zum Verschwindenlassen von Opfern.
So weit, so bekannt erst mal.

Was hebt The Witch nun davon ab? Storytechnisch erst mal nichts-es ist vielmehr die Art und Weise wie das alles vermischt und dargestellt wird, die das Ganze aus dem Wulst der Produktionen hervorhebt.

The Witch kommt nicht nur über weite Strecken atmosphärisch daher, sondern auch noch mit einem recht bestalischen Härtegrad und Bodycount, den man nicht erwartet hätte. Statt sich passiv auf das Haus zu verlassen, das vielleicht irgendwie verflucht ist, tritt die Hexe selbst in Aktion-manchmal direkt (z.B. Menschen mit Pfähle durchbohrend) oder durch Magie (z.B. Sägeblatt löst sich und durchbohrt langsam und sehr explizit einen Kirchenmann). Und da kommt eine ganz schöne Schlachtplatte zusammen. So nimmt der Film dann auch über weite Strecken eher die gestalt eines Backwood-Slashers an indem nach dem 10 Kleine Negerlein Prinzip einer nach dem anderen blutig das Zeitliche segnet.
Die Hexe in Reinform bekommt man dabei (zum Glück) nie ganz zu Gesicht. IdR sieht man die Komplettgestalt nur als Siluette oder am Schluss in Tücher/einen Mantel eingewickelt. Eine gute Sache und konsequent umgesetzt. Bei den Morden selbst zeigt man dagegen meist einen Arm der Hexe, der wie von einem Seeungeheuer aussieht (Klauen der Lorelei lässt grüßen[so ähnlich wie dort dürfte die Hexe in Großformat auch aussehen]). Die Hexe hat allerdings noch eine weitere Gestalt, die ich nicht verraten will (auf die der erfahrene Zuschauer aber wohl schnell kommen wird). Diese Gestalt ist dann eher wieder Verbindung zum Geister-/Exoorzistenfilm.

Überraschend ist das Ende, das nichts mit dem üblichen Hollywood Klischee Mist zu tun hat (auf mich aber nicht so ganz befriedigend gewirkt hat[man fragt sich unweigerlich was vieles nun sollte]).

Und ja-zu bemängeln gäbe es sicher einiges-aber das haben andere hier schon zu Genüge getan. Ich halte z.B. nicht alle Rollen für glücklich besetzt. Die pseudo Dorfhexe bei der der Priester sich immer mal wieder Rat holt hat auf mich eher lächerlich gewirkt. Klar wird hier ein Klischee bedient (ich glaube sogar absichtlich-der Film nimmt sich zwar grundsätzlich ernst, ist sich seines schmalen Budgets und Unzugänglichkeiten aber in weiten Kreisen bewusst-weshalb viele Rollen auch klischeehaft überzeichnet sind), aber das wäre eleganter gegangen (ich denke da z.B an die Alte aus Pumpkinhead etc.).
Die Story selbst ist im Detail auch nicht das Gelbe vom Ei. Bei vielen Erklärungen mag man nicht mitgehen. Und manches was erwähnt wird, ist dann doch unwichtig oder vergessen wie die wichtigen Beschwörungsformeln zur Vernichtung der Hexe.
Aber ich schrieb ja bereits, dass die Story in der Tat die Schwachstelle des Films ist.
Trotzdem hat das Ganze einen recht beachtlichen Schau- und Unterhaltungswert. Was zitiert wird, wird gut und atmospährisch zitiert. Die Morde sind abwechslungsreich, das Tempo des Films hoch, die Morde und der Schluss böse.

Für mich bleibt neben der Story der eher geringe Wiederanschauungswert des Films als Schwachstelle zurück, was dann auch eine höhere Bepunktung entgültig verhindert. Dennoch überdurchschnittliche (die Stärken sind größer als die Schwächen) 6 von 10 Punkte.

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