Wahrscheinlich hat es einen Horrorfilm wie „Get Out“ gebraucht, um die breite Masse zwar nicht dezent, aber nachhaltig darauf aufmerksam zu machen, dass die Nachwehen des latenten Rassismus in den USA immer noch präsent sind. Andere Genrebeiträge folgten diesem Beispiel und auch vorliegendes Werk ist ein wenig von dem Thema geprägt.
Ava (Augie Duke) und Mike (Acoryé White) beziehen ein neues Heim und führen eine harmonische Beziehung. Dies ändert sich allerdings, als sich die alte, unterschwellig rassistische Nachbarin (Sandra Ellis Lafferty) vorstellt und Ava als Begrüßungsgeschenk eine Box mit einer Halskette überreicht. Avas Persönlichkeit scheint sich mit dem Tragen der Halskette zu verändern…
Satte zwanzig Minuten Vorgeschichte räumten die Regisseure Acoryé White und Patrycja Kepa dem Aufbau ein, was wiederum aus zwei Prologszenen besteht. Die Hauptsequenz ist anno 1936 angesiedelt, als die heimliche Beziehung einer Weißen mit einem Schwarzen ein jähes Ende findet. Auch im Hier und Jetzt ist das Paar unterschiedlicher Hautfarbe, was jedoch nur anfangs von Relevanz ist und im Verlauf immer weniger thematisiert wird.
Leider gibt es zur titelgebenden Box fast keinen Hintergrund, ihr Bestehen und die Wirkung der Kette werden auch zu keiner Zeit hinterfragt und so wird versäumt, den etwas merkwürdigen Ereignissen einen Hintergrund zu verpassen. Entsprechend fühlt sich die Chose über weite Teile wie ein Zwei-Personen-Drama an, welches mit eher oberflächlichen Persönlichkeiten hantiert und mehrheitlich vor sich hin dümpelt.
Schlimmer noch. Als innerhalb nächtlicher Momente ein Erschreckmoment bemüht wird, lässt sich rein gar nichts erkennen, weil der Beleuchter augenscheinlich nicht vor Ort war. Lediglich die gelungene, jedoch zuweilen zu vordergründig eingesetzte Sounduntermalung lässt erahnen, dass hier wohl etwas Übersinnliches im Spiel gewesen sein könnte, wovon im Verlauf allerdings ebenfalls wenig übrig bleibt. Die Angelegenheit gestaltet sich auffallend ereignislos.
Zwar gibt es in den finalen Minuten noch so etwas wie eine Auflösung und einen entsprechenden Epilog, doch aufgrund mangelnder Backgrounds entstehen mehr Fragen als Antworten gegeben werden, was man bei einer ohnehin schon dünnen Geschichte erst einmal hinbekommen muss.
Gefühlt ist „Trinket Box“ deutlich mehr Drama als Horror, von Spannung kann hier allenfalls in Ansätzen die Rede sein und auch darstellerisch sind die wenigen Beteiligten kaum in der Lage, Interesse auf sich zu ziehen. Das Rassismusthema dient lediglich als Aufhänger, während weder das Paranormale noch erwähnenswerte Gewalteinlagen eine Rolle spielen.
Diese Box kann man getrost geschlossen halten.
3 von 10