Die modernen Medien und die daraus resultierenden Möglichkeiten überraschen doch immer wieder.
Die Entwicklung der Virtualisierung scheint keine Grenzen zu kennen, nur leider übertreiben es diesbezüglich einige Leute, wie auch Regisseur und Autor David Alonso, dem wir diesen halbgaren Streifen verdanken.
Als Toni für eine Arbeit im Internet recherchieren will, gerät er auf eine merkwürdige Seite und wird zu einem Spiel eingeladen, dem er dummerweise zusagt. Ab sofort geschehen mysteriöse Dinge, jemand scheint ihn und seine Freunde ständig zu beobachten. Zunächst glaubt er an einen üblen Scherz seiner Ex Susana und ihrem neuen, reichen Stecher Alex. Doch diese befinden sich ebenfalls in einer bedrohlichen Situation…
Und alles wird von unzähligen Kameras verfolgt, ganz gleich wo sich die Protagonisten aufhalten. Die scheinbar fremde Instanz handelt nach einem genau kalkulierten Plan und überlässt kein Ereignis dem Zufall. Leider ist dieses Real-Life-Adventure voll von Unwahrscheinlichkeiten, da Alonso ein paar gute Ideen zu einem wenig durchdachten Drehbuch umfunktionierte.
Gleich zu Beginn sieht man ein Kind im Supermarkt, wie es spielerisch mit den Überwachungskameras umgeht und dabei Wesentliches übersieht. Kleiner Knalleffekt, aber nahezu ohne jeden Zusammenhang. Ähnlich wahllos wechseln die Schauplätze, eine einsame Zooanlage ohne Tiere (wo wurden die zwischenzeitlich untergebracht?) oder ein menschenleeres U-Bahn-Gelände (aus dessen Labyrinth es zunächst keinen Ausgang gibt und eine Bahn ferngesteuert wird) sorgen zwar für ein wenig Atmosphäre, aber auch für unüberbrückbare Logikfehler.
Nicht nur, dass sich Kameras an unmöglichen Orten befinden, wie in einer Kneipe oder einer steppenähnlichen Einöde. Man muß sich auch mit der einflussreichen Übermacht zufrieden geben, die mal eben eine komplette Szene-Disco anmietet, eine Patientin aus dem Krankenhaus entführt und jederzeit ungesehen in jede Wohnung eindringen kann. Zudem erschließt sich mir auch kein Zusammenhang zwischen dem Literaten Gottfried Keller („Der grüne Heinrich“) und der dubiosen Internetseite. Alles recht planlos und auch viel zu spät mit spannenden Momenten versehen, da man sich zu lange mit Eifersüchteleien und Beziehungskisten innerhalb der Studenten auseinandersetzen muß.
Mal wieder: Es hätte mehr draus werden können, da die Darsteller nicht übel agieren und die Wahl einiger Sets recht gelungen ist, aber das schwache und löchrige Drehbuch fällt zu unangenehm auf, so dass nur halbwegs passable Unterhaltung übrig bleibt.
4 von 10 Punkten