Blutiger Nektar vom Killer-Imker
Reiner Honig hat einen guten Ruf, trotz seines hohen Zuckergehalts. Die Masse der Konsumenten kauft allerdings im Supermarkt, wo sie dann in den allermeisten Fällen nur gepanschte Ware bekommt. Da werden alle möglichen billigen Zutaten beigemischt, um das Produkt zu strecken und erschwinglich zu halten. Beim Actionfilm verhält es sich ähnlich. Auch hier hat das reine Produkt einen guten Ruf, trotz seines hohen Gewaltanteils. Das Gros der Konsumenten präferiert allerdings Massenappeal, womit sie dann in den allermeisten Fällen gepanschte Ware erwartet. Da werden alle möglichen Zutaten beigemischt, um das Produkt zu glätten und verdaulich zu gestalten. Richtig spaßig wird es dann, wenn nun diese beiden Welten aus süßem und rotem Saft fusionieren. Aktuell zu bewundern im Multiplex Ihrer Wahl, auch bekannt als Supermarkt für Filmfreunde.
In diesem neuen Hochglanzprodukt gibt Actionstar Jason Statham einen Bienenzüchter. Das ist tatsächlich so lustig, wie es ich anhört. Wenn der wortkarge Modellathlet zu Beginn das Films seine Bienenstöcke wartet und der vereinsamten Nachbarin ein Glas selbst gemachten Honigs bringt, erinnert das an selige Steven Seagal Zeiten. Zumal man ganz genau weiß, dass diese meditativen Tätigkeiten allem und jedem, nur nicht den bösen Buben vorbehalten bleiben. In unserem Fall wird die summende Ruhe von einem bösartigen Hornissenschwarm in Form einer Telefonbetrugs-Firma gestört, die besagte Nachbarin in Ruin und Selbstmord treibt. Eine solche Unruhe im Stock ist für den passionierten Bienenzüchter Adam Clay absolut inakzeptabel, womit er ohne Umschweife zu seiner zweiten Leidenschaft übergeht.
Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn Adam macht seinem alttestamentarischen Namen alle Ehre und kommt wie eine biblische Plage über die fast schon bemitleidenswerten Abzocker. Die Betonung liegt allerdings auf „fast“, denn der Film zeichnet die jeweiligen Führungsebenen - Adam arbeitet sich wie seine Schutzbefohlenen Im Bienenstock Wabe um Wabe fleißig nach oben - als Sammelsurium verabscheuungswürdiger Soziopaten, denen man ihr teilweise unschönes Schicksal von Herzen gönnt. Die damit verbundenen Gewaltspitzen verleihen dem Film eine gewissen Partycharakter, den man ansonsten eher aus den einschlägigen Werken der 80er und frühen 90er Jahre kennt. Leider geht das Endprodukt nicht so geölt herunter wie frühere Chargen von Arnold, Sylvester oder auch Jean Claude und Steven. Womit wir wieder bei der Panscherei wären.
Dass der „Beekeeper“ keinen reinen Honig abliefert hat mehrere Gründe. Ein sehr gewichtiger hört auf den Namen David Ayer. Der einst gerühmte Skriptautor („Training Day“) hat längst ins Regiefach gewechselt und dort eine Handschrift entwickelt, die vor allem durch Uneinheitlichkeit und Grobklotzigkeit besticht. Weitere Markenzeichen sind ein unangenehmer Zynismus und vornehmlich sinnlose Gewalt. Mit diesen Attributen hatte er bereits großflächig im Superhelden- („Suicide Squad“), Kriegs- („Fury“) und Science Fiction-Kino („Bright“) gepanscht, nun war eben der puristische Actionfilm dran. Diesmal wirft Ayer auch noch ein paar geklaute Brocken John Wick und ein paar recycelte Brocken „Suicide Squad“ in den zähflüssigen Honigtopf.
So beherrschen die Beekeeper zwar durchaus das Handwerk der Imkerei, aber gleichzeitig dient es ihnen auch als Tarnung. Denn die Bienenzüchter sind in Wahrheit ein geheimes Regierungsprogramm aus hoch spezialisierten Auftragskillern, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn man die Zuckerschicht rudimentärer Legalität vollends abgekratzt hat. Anders als beim killenden Hustenbonbon wird diese Parallelwelt aber an keiner Stelle näher beleuchtet, so dass sie als reines Gimmick völlig in der Luft hängt. Und als dann doch noch eine Kollegin Adams aufkreuzt, ist diese dermaßen comichaft überzeichnet, dass der bis dato halbwegs ernsthafte Grundton einen ersten Wirkungstreffer erhält, der nichts Gutes verheißt. Immerhin ist Ayer konsequent in seiner Inkonsequenz und serviert uns dann auch ein Finale, bei dem man sich ob des Blödelfaktors fragt, ob er anstatt einer schnöden Biene vom wilden Hafer gestochen wurde. Da pflügt sich Adam durch eine krude Mischung aus Regierungsbeamten und Comic-Knallchargen, die warum auch immer - das weiß vermutlich nur Wimmer (der Drehbuchautor) - demselben Auftraggeber dienen. An dieser Stelle schmeißt der Film jegliche Form von Plausibilität und halbwegs ernst zu nehmender Vigilanten-Chose über Bord und verwandelt den halbwegs geordneten Bienenstock endgültig in ein chaotisches Hornissennest.
Hat man sich mal mit dem wild durcheinander summenden und brummenden Kreuzfeuer abgefunden, kann man aber durchaus Spaß haben, zumal die deutsche Synchro das immer wieder aufblitzende Trash-Potential erkannt hat und in einer fast schon subversiven Dreistigkeit dem geneigten Publikum beherzt den ein oder anderen Debilität-Kalauer unterjubelt. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, der kann sich auf noch ein paar mehr Zuckerschocks in Ayers gepanschtem Action-Honig freuen. So werden Adams beruflicher Hintergrund und vigilante Motivation bestenfalls angerissen, dafür erheitert er uns mit so inflationär wie random vorgetragenen Bienenstock-Metaphern. Das parallel ermittelnde FBI steht beim apokalyptischen Imkerfeldzug fast ehrfürchtig daneben, hat damit aber auch genug Muße um den Überforderten die wenigen relevanten Plotbausteine zu erklären. Schließlich ist da noch Ex-Edelmime Jeremy, der einen weiteren Beleg für die in seiner Wabe so beliebte Rentenkassen-Politur liefert.
Das Warten auf die Rückkehr des reinen Actionfilms hat also auch mit dem Beekeeper kein Ende, aber wenigstens wird es mit Kurzweil versüßt. Jason Statham bringt die dafür nötige Erfahrung sowie die erforderliche Expertise mit und auch wenn ihm ein Panscher wie David Ayer ins Handkantenwerk pfuscht, bleibt das Endprodukt genießbar. Feinschmecker greifen aber besser in ein hochpreisigeres Regal und zu naturbelassener Ware.