Dr. Zeder statt Gezeter!
"Zeder" ist eine würzig-wilde Italozombiewundertüte vom immer noch zu unbekannten und unterschätzten Pupi Avati, in der einem jungen Schriftsteller eine alte Schreibmaschine in die Hände fällt, in der noch Aufzeichnungen eines gewissen Dr. Zeder stecken, die von einer übernatürlichen Zone und der Wiederauferstehung der Toten berichten...
Für Mainstreamgucker ist sowas wie "Zeder" glaube ich einfach langweilig oder gar großer Kappes mit Anlauf - für uns alte Genrehasen ist er eine leidenschaftliche und tolle Italokinogenreentdeckung! Pupi Avati hat mich ja schon mit seinem noch besseren "Das Haus mit den lachenden Fenstern" verzückt. Und im Grunde macht er es mit "Zeder" nochmal, wenn auch auf einem etwas fantasievolleren Metier. Wer also auf sowas wie "Dellamorte Dellamore", "In The Mouth of Madness" oder "Angel Heart" steht, dem werden auch hier Herz und Hose aufgehen. "Zeder" ist Zucker! Nicht perfekt - aber im Grunde machen ihn seine Unzulänglichkeiten nur noch sympathischer. Fast ein Slowburn. Zwischen Stephen King und Lucio Fulci. Die gotischen Gebäude und tollen Effekte, die modrigen Monster und das langsame Abgleiten ins Jenseits, das asthmatische Stöhnen und der schleichende Tod, die gefährliche Aura und der Spaß bei der morbiden Sache - das ist Euro-Grusel-Kino der 80er-Spezialklasse! "Zeder" beginnt langsam, steigert sich aber gehörig und entlässt einen mit einem guten unguten Gefühl. Und das ganz ohne ausgekotzte Gedärme, abgeschlagene Köpfe oder zerstochene Augen - allein durch Atmosphäre, Geschichte, Nachvollziehbarkeit und Spannung! Viele Ermittlungen, Verwzickungen, fast eher Geisterfilm als Zombieschocker. Weltlicher als man meint. Understatement. Die Hauptfigur geht einem nah, der Score ist aufdringlich-beunruhigend, Wahnsinn und Hunger standen "Zombies" selten heftiger ins schimmelige Gesicht geschrieben. Richtig gut!
Fazit: wunderbares und waschechtes Italozombienachtschattengewächs, das vielleicht nicht ganz mit den Übertiteln von Romero oder Argento mithalten kann, jedoch jedem Italogruselfan trotzdem einen schaurig-schönen Abend bescheren sollte. Und zudem ein Titel, den nicht jeder kennt!