Es gibt Filme, die von der Story her durchaus Potential haben, aber dann durch die Umsetzung einiges dieses Potentials verlieren. Und zu dieser Kategorie gehört auch "Blind Horizon".
Kinder finden den bewusstlosen Frank (Val Kilmer) in der Wüste von New Mexico. Eine Schusswunde verursacht Amnesie, Frank kann sich an nichts erinnern. Aber er glaubt zu wissen, dass der US-Präsident getötet werden soll. Sheriff Kolb (Sam Shepard mit einer scheußlich unpassenden David Hasselhoff - Synchronstimme) und Franks angebliche Verlobte Chloe (Neve Campbell) halten das für blanken Unsinn - bis es in der Gegend zu Todesfällen kommt...
Der ganz große Durchbruch war Val Kilmer (Heat) nie gelungen. Dennoch agiert er in "Blind Horizon" einigermaßen passabel, auch wenn man schonmal besseres von ihm gesehen hat. Mal von der deutschen Synchronstimme abgesehen, macht Sam Shepard (Stealth) einen ordentlichen Job, mit dem man sich zufrieden geben kann. Neve Campbell (Panic) wirkt stets irgendwie lustlos und kann auch kaum überzeugen, während Amy Smart (Road Trip) nicht nur recht knackig aussieht, sondern auch eher bei der Sache ist als Campbell. Schließlich bleibt noch Faye Dunaway (Gia), die in ihrem Mini-Auftritt wenig beeindrucken kann.
Storymäßig wirkt "Blind Horizon" etwas zäh und es dauert ein bisschen, bis der Film zur Sache kommt. Das führt in der ersten Hälfte schonmal zu Ermüdungen, was wohl an der Unerfahrenheit von Regiedebütant Michael Haussman liegt. Ein erfahrener Regisseur hätte eventuell versucht, den Ablauf nicht ganz so lahmarschig und etwas einschläfernd zu gestalten. Denn von der Anfangssequenz und der ersten Krankenhaus-Szene mit Kilmer und Smart besticht die erste Hälfte einfach durch Langeweile. In der zweiten Hälfte kann "Blind Horizon" dann immerhin etwas an Tempo gewinnen, auch wenn im Showdown dann einiges widerum zu zügig abgewickelt wird. Action findet man darum hier nur wenig vor, da man außer einem schnell geschnittenen Genickbruch, einer Tanklastwagen-Explosion (den Grund dafür erfährt man nicht) und ein paar unblutigen Schüssen nix geboten bekommt. Was die Spannung betrifft bleibt "Blind Horizon" zwar einigermaßen unterhaltsam, doch wird sie nicht effektiv genug eingesetzt. Was das Drehbuch angeht, so hat man ähnliche Storys schonmal vorgesetzt bekommen, doch hätte man dennoch aus der Geschichte was machen können. Unter anderem hätte man Franks Charakter mehr Tiefe geben und der von Amy Smart gespielten Figur mehr Bedeutung andichten können. Und Neve Campbell hätte bestimmt mehr Einsatzfreude gezeigt, wenn man ihr die richtige Motivation gegeben hätte. Dem war hier aber nicht so, und Michael Haussman kann sich problemlos in die Riege von Regisseuren einreihen, die interessante Filmstoffe lustlos und uninspiriert herunterleihern. So werden gute Filmstoffe verschwendet.
Warum werden interessante Stoffe oftmals unerfahrenen Regie-Neulingen in die Hand gedrückt und nicht Experten wie Michael Mann, John McTiernan oder Tony Scott? Hätte nämlich ein Mann mit mehr Erfahrung als Haussman bei "Blind Horizon" auf dem Regiestuhl Platz genommen, so wäre der Film vermutlich um einiges kinotauglicher geworden und nicht einfach in die DVD-Regal verbannt worden. Somit bleibt der Film uninspirierte Thriller-Kost für Zwischendurch oder zum Einschlafen.