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Wer bereits in über 150 Filmen mitwirkte, hat natürlich eine ungefähre Ahnung von den Aufgaben eines Regisseurs. Und im kleinen Rahmen eines TV-Films geht man schließlich kaum das Risiko ein, auf ganzer Linie zu scheitern, was Schauspielerin Gina Gershon zum Anlass nahm, für ihren ersten Langfilm auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen.

Kurz vor Weihnachten hängt der Haussegen bei Val und ihrem Mann Mark ein wenig schief und auch die beiden Söhne sind nur bedingt glücklich. Es kommt allerdings weitaus schlimmer, als der bewaffnete Denny unvermittelt ins Haus eindringt und die Anwesenden als Geiseln nimmt. Val überredet ihn, als Fahrerin tätig zu werden, um die Kinder aus der Schusslinie zu bekommen, was sie selber in höchste Gefahr bringt…

Für einen kleinen Entführungskrimi ist der Rahmen einer Fernsehproduktion durchaus angemessen. Sie benötigt kaum Action, die Anzahl der Schauplätze bleibt überschaubar und ein paar Gesichter werden wohl auf dem Niveau einer Daily-Soap performen können. Ist hier gegeben. Dabei treibt Gershon die simple Story anfangs angenehm temporeich voran und lässt den verzweifelten Verbrecher früh auf der Bildfläche erscheinen. Der junge Mann mit den zeitweiligen Schweißausbrüchen wirkt unsicher, aufgeregt und emotional unkontrolliert, was ihn in seiner Gesamtheit zunächst unberechenbar erscheinen lässt.

Dies legt sich allerdings, als einerseits das Motiv der gekränkten Liebe früh durchschimmert und andererseits durch die Zugänglichkeit, welche Val immer wieder anstrebt, um an die Vernunft des jungen Mannes zu appellieren. Zudem werden etwaige Taten des Killers komplett ins Off verfrachtet, wodurch er deutlich weniger boshaft wirkt, als womöglich beabsichtigt. Hinzu gesellen sich Nachlässigkeiten hinsichtlich der Geisel, welche jene allerdings kaum für sich zu nutzen weiß, was auf Dauer zu einigem Kopfschütteln führt. Auch die Arbeit der Polizei zeichnet sich nicht gerade durch gezielt schnelles Handeln aus.

Leider driftet der Stoff zusehends in Pathetische ab. Geschwafel über Kurzurlaub am Strand und Probleme innerhalb einer leicht angestaubten Ehe sorgen nicht gerade für Spannungspotenzial und es wirkt beinahe so, als würde die abgesägte Schrotflinte unterm Mantel des Schlächters immer schwerer und gegen Ende kaum mehr eine Rolle spielen. Da haben es sich die drei Drehbuchautoren definitiv zu leicht gemacht, denn eine Eskalation wäre stattdessen eher nachvollziehbar gewesen.

Aber auch inszenatorisch reißt sich Gershon kein Bein aus. Zwar arbeitet die Kamera passabel, am Schnitt ist kaum etwas auszusetzen, doch etwaige Überblendungen in einer Mischung aus Erinnerungen und Wunschdenken sehen recht ungelenk aus und auch einige Nebenhandlungsstränge verpuffen ohne sichtliche Pointe. Selbst der Score hat keinen Plan, wie man etwas mehr Dramatik in die Sache untermengen könnte.

Folgerichtig packen die rund 87 Minuten nur zu Anfang, doch das Interesse verpufft, je mehr die Chose ins moralische Geschwafel abdriftet und kaum mehr Taten folgen lässt. Darstellerisch wird okay performt, doch die Präsenz der Beteiligten lässt ebenfalls zu wünschen übrig, während die Spannung zum Ende gegen Null tendiert und sich die titelgebenden 12 Stunden Verzweiflung gar nicht mal so verzweifelt anfühlen.
Performen kann die Gershon zweifelsohne, das mit der Regie sollte sie sich indes noch einmal überlegen.
Knapp
4 von 10

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