Norman Jewison hat der Menschheit ein paar denkwürdige Filme geschenkt, „Cincinatti Kid“, „Thomas Crown“ oder „...und Gerechtigkeit für alle“. Jetzt pocht er auf das Recht auf den Final Cut und schafft es sogar, ist aber stark in die Jahre gekommen.
Zeugnis darüber legt sein letzter Film „The Statement“ ab, der sich um ein brisantes Thema dreht, den Schutz von Nazi-Kollaborateuren durch verschiedene Zweige der katholischen Kirche. Angesiedelt im Jahr 1992, als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu einem in Europa ultimaten Gesetz wurden, folgt er dem letzten Weg des seit über 45 Jahren flüchtigen Pierre Brossard (Caine), der für die Erschießung von sieben Juden verantwortlich war.
Von einer Bruderschaft geschützt und unterstützt, wird er jetzt scheinbar von einer israelischen Gruppe gejagt, während eine Richterin und ein Mitglied der Armee die Hintergründe aufdecken, die dann doch wieder ganz anders aussehen.
Das Thema liest sich gut und hätte für einen brauchbaren Thriller hergehalten, aber wer nach 90 Minuten hier noch nicht gähnt, der hat wirklich lange ausgeschlafen.
Scheinbar bar jeden Gefühls für Rhythmus und Timing reiht Jewison eine Szene an die andere und läßt die Figuren reden, reden und nochmals reden. Politik und Kirchen werden vermischt, jeder hat ein neue Ansicht zur Sache und zwischendurch bittet der flüchtige Caine beständig um Vergebung, da er nur die rein katholische Sicht der Buße verinnerlicht hat (also Absolution ohne Reue oder Moral), ohne diese aber auch nicht leben kann.
Zwar fängt der Film mit einem Anschlag auf Brossard geradezu hitchcocklike an, dann aber erstarrt er in ewigen Dialogen, wortreich, aber nicht selten die gleichen Inhalte mehrfach wiederholend. Dazu wirken manche Sequenzen auch viel zu ausgewalzt, als hätte Jewison Freude an der südfranzösischen Landschaft gefunden oder fände es spannend, den kompletten Landevorgang eines Helikopters aufzunehmen. Dazu adaptiert er die typische Bräsigkeit eines französischen Films, wenn er alle Schuld-und-Sühne nacheinander durchgeht.
Caine bietet brauchbare Leistungen, aber seine Rolle bleibt statisch und erschließt sich nie dem Zuschauer. Wesentlich besser, aber auch nicht substanziell Tilda Swinton als Richterin, die letztendlich nicht von der Stelle kommt. Jeremy Northam kommt genauso wenig zum Zuge, wie Charlotte Rampling in ihrem zehnminütigen Gastauftritt als Brossards Frau noch irgendwas reißen kann.
Freunde und Kritiker des Katholizismus werden vermutlich reichlich Diskussionsstoff in dem Film finden, aber das hat leider nichts mit seinem Unterhaltungspotential zu tun, das noch zusätzlich geschmälert wird, indem der Film gegen Ende schlicht und einfach ausläuft.
Die bestehenden Verhältnisse sind zwar aufgedeckt, aber nicht beweisbar, die Justiz läuft gegen eine Wand und erst in der letzten Szene bekommt der Drahtzieher im Hintergrund noch einen Schubs mit, ein dramaturgischer Schlenker, der den Film auch nicht mehr retten kann.
Da war Potential drin, aber man kann ihn wirklich noch etwas schneiden. Problemlos um 25 Minuten. (4/10)