Zwei harte Schicksalsschläge kurz nacheinander hat die Britin Maya Stern (Michelle Keegan) zu verkraften: zum einen verlor sie ihre Schwester Claire und kurz danach auch noch ihren Mann Joe (Richard Armitage), wobei beide jeweils einem Verbrechen zum Opfer fielen. Dabei könnte die ex-Militär-Pilotin selbst ein wenig Ruhe gebrauchen, verfolgen sie doch permanent Flashbacks ihres letzten Auslandseinsatzes im nahen Osten, wo sie mit ihrem Helikopter ein Fahrzeug per Rakete vernichtete, in dem sich statt feindlicher Kämpfer jedoch nur Zivilisten befanden.
Viel aufzuarbeiten also für die Enddreißigerin, die sich jetzt in erster Linie um ihre kleine Tochter kümmern muß. Als ihr zur Überwachung der Kleinen ein elektronischer Bilderrahmen mit Kamerafunktion geschenkt wird, sorgt diese als Entlastung gedachte Hilfe dann jedoch für den nächsten Schock, als sie kurz darauf auf den Aufzeichnungen der Kamera ihren Mann Joe erkennen muß, welcher wenige Tage zuvor bei einem Raubüberfall im Park erschossen wurde. Wie kann das sein? Maya ist komplett verwirrt, doch das zur fraglichen Zeit anwesende Kindermädchen, das sie sogleich befragen will, ergreift völlig unerwartet die Flucht und taucht unter.
Auch der mit den Ermittlungen beauftragte Kommissar Sami Kierce (Adeel Akhtar), ein behäbiger, an irgendeiner Nervenkrankheit leidender Ermittler, ist ihr keine Hilfe, ebensowenig ihre wohlhabende Schwiegermutter Judith (Joanna Lumley), die Maya insgeheim für den Tod ihres Sohnes (mit-)verantwortlich macht, ihre Ansichten jedoch hinter einer Maske aus wohlgewählt steifen Formulierungen verborgen hält.
So bleibt der ex-Pilotin also nichts anders übrig, als zunächst allein zu ermitteln, wobei sie ihre Verbindung zu einem befreundeten Militäroffizier einsetzt und somit langsam diversen Ungereimtheiten auf die Spur kommt...
It´s Harlan-Coben-Time again - Fool me once (deutscher Titel: In ewiger Schuld), die neueste und insgesamt 7. Folge der Netflix-Verfimungen seiner Krimi-Romane (eine Übersicht findet sich unterhalb dieses Reviews) spielt drehtechnisch mal wieder in Europa, wobei dem Regisseursduo David Moore und Nimer Rashed (am Drehbuch schrieb übrigens auch Harlan Cobens Tochter Charlotte Coben mit) die Adaptierung der ursprünglich us-amerikanischen Geschichte in britische Gefilde diesmal relativ unauffällig gelungen ist.
Wie in Cobens Romanen üblich, kristallisiert sich schnell eine Hauptfigur heraus, die zwischendurch auch selbst in Frage gestellt wird, im Laufe der Zeit unendlich viele Spuren (sprich: Handlungsstränge) entdeckt (von denen die meisten ins Nichts führen), am Ende jedoch die diversen Rätsel zu lösen vermag.
Während sich die Handlung um die ehemalige Hubschrauber-Pilotin also vorwiegend rund um vornehm-aristokratische englische Herrenhäuser abspielt und somit nichts wirklich Neues bietet, rücken die einzelnen Figuren umso mehr in den Vordergrund: leider hat Hauptdarstellerin Michelle Keegan außer stets tadelloser Frisur und Make-up nichts weiter zu bieten - die toughe Kämpferin nimmt man der zierlichen Brünetten keine Sekunde lang ab. Ein weiteres hübsches Gesicht in der dem Zeitgeist entsprechenden, immer größer werdenden Riege weiblicher Heroes, mehr ist sie nicht. Ihr Buddy bei den Streitkräften ist nur ein serviler Handlanger, Schwager Eddie (Marcus Garvey) und später Whistleblower Corey agieren eher unauffällig und selbst Richard Armitage - als vielleicht bekanntester Namen in der Darstellerriege - hat nur eine unbedeutende Nebenrolle und dementsprechend nur wenige Minuten Screentime. Joanna Lumley als Schwiegermutter Judith Burkett weiß sich zwar gekonnt als graue Eminenz, die hinter den Kulissen die Fäden zieht, in Szene zu setzen, aber auch ihr Filmcharakter hat viel zu wenig Zeit, eine die Serie prägende Figur darzustellen.
Dafür spielt sich der behäbige Kommissar Sami Kierce immer mehr ins Rampenlicht. Dabei beginnt dessen Einführung eher langweilig, denn der arabische DS legt mit seiner Begriffsstutzigkeit, die allerdings nicht vorgetäuscht ist, wie ein Inspektor Columbo zum Quadrat los. Dann jedoch, wenn man seine ominöse Krankheit näher kennenlernt und er - im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten - Mayas vagen Vermutungen zumindest Gehör (und später Glauben) schenkt, wird einem dieser Filmcharakter immer sympathischer. Er macht, bedingt durch seine Krankheit, als Einziger eine gewisse Charakterentwicklung durch, die sich auf den Fortgang der Serie positiv auswirkt - sowohl menschlich als auch ermittlungstechnisch. Als Sidekick wird ihm ein baumlanger, typisch britischer Assistent (Dino Fetscher als Marty MCGreggor) beigestellt, was für einige, das Geschehen auflockernde komische Situationen sorgt. Am Ende erweist sich Adeel Akhtar als der mit weitem Abstand interessanteste Charakter der ganzen Serie.
Somit bleibt Fool me once mit seinen 8 Episoden zwischen je 35 und 55 Minuten eine mittelprächtig unterhaltsame Angelegenheit, deren viele Handlungsstränge oftmals konstruiert und mithin unrealistisch anmuten, die allerdings größere Plot Holes vermeidet und deren Finale fast schon erwartungsgemäß mit einer weiteren, kaum zu erahnenden Wendung endet. Für Harlan-Coben-Fans sicher wieder ein Fest, der geneigte Krimifreund jedoch kommt hier nur bedingt auf seine Kosten. 5 Punkte.
Wer sich für die Harlan-Coben-Reihe bei Netflix interessiert, dem sei diese Liste mit meinen Rezensionen bisher verfilmter Romane empfohlen:
Ich schweige für dich (2020) 9 Punkte
Das Grab im Wald (2020) 7 Punkte
Kein Friede den Toten (2021) 7 Punkte
Kein Lebenszeichen (2021) 5 Punkte
Wer einmal lügt (2021) 6 Punkte
Sie sehen dich (2022) 4 Punkte
In ewiger Schuld (2024) 5 Punkte