Das Rollenporträt von Dermot Mulroney in letzter Zeit deutet im groben Überblick auf ein Abgleiten in ebensolche Gefilde, dem des seligen B-Pictures als On Demand - Distribution und bestenfalls vorher noch mit Limited Release auf entsprechend zahlenmäßig überschaubaren Leinwänden hin. Also ein Abgleiten von den größeren Produktionen in die von Christian Sesma und Co., was der Auftritt in bspw. dessen Section 8 oder zuvor bei Agent Game nicht die Ausnahme von der Regel, sondern der erste Hinweis auf nun folgende Traditionalität. In Ruthless hat man für den berühmt-berüchtigten Art Camacho eine Art Rächer verkörpert, dann The Dirty South beehrt, nun ist man in Breakwater als Antagonist (erneut) eingesetzt, was im Zusammenhang mit der neuen Umgebung (für den geneigten Zuschauer) nicht unbedingt etwas Schlechtes ist; Mulroney erweitert sein Spektrum an Personen und das Publikum bekommt neue Facetten von ihm und ein neues Gesicht in seinen oftmals mit einstelligem Millionenbudget 'finanzierten' Produktionen zu sehen, erstmal quasi Win-Win:
Kurz vor der Entlassung aus dem Gefängnis St. Brides, Virginia bittet der die letzten drei Jahre über den 'Frischling' Dovey [ Darren Mann ] wachende Ray Childress [ Dermot Mulroney ] den jungen Mann um einen Gefallen, er möge bei Gelegenheit doch nach Currituck County, seine dort lebende Tochter Marina [ Alyssa Goss ] aufsuchen und einmal nur schauen, wie es und ob es ihr gutgeht. Dovey, der aufgrund seiner strikten Bewährungsauflagen nicht die Landesgrenze verlassen darf und sowohl von seinem Vater Luther [ JD Evermore ] als auch seinem Patrol Officer Bonnie Bell [ Sonja Sohn ] strikt von dem Vorhaben abgeraten wird, macht sich dennoch auf den Weg, womit er nicht nur sich selber, sondern vor allem auch die ahnungslose Frau in Gefahr bringt.
Ein Sturm zieht auf und ist bald in vollen Gange, das Meer tobend und tosend, Donner, Blitz und tiefes Grollen, ein alter Schiffsmast bricht aus dem Wasser hervor, ein Vorbote des Kommenden, eine erste Warnung, ein böses Omen, ein Widerstand dagegen, ein zäher Wettstreit, ein Kampf um das Leben. Das Leben ist hier erstmal neu, eine Entlassung steht an, aus dem Gefängnis, mit 27 $ in der Tasche bzw. als Scheck, siebenundzwanzig Dollar, das reicht für die erste warme Mahlzeit, für vielmehr nicht, und das wird noch um 6 $ Gebühr für das Einlösen gekürzt. Einen Auftrag hat der junge Mann noch mit auf seinem Weg bekommen, einen Zeitungsschnipsel mit Erklärungen, mit einer persönlichen Bitte, ein erstes Ziel zum 'Hallo' sagen, zum Aufsuchen.
Ein harmlos klingender Gefallen, für einen scheinbar väterlichen Freund und Beschützer, ein Richtungsweisender im alten Leben, im Gefängnis, bald ein neuer, ein anderer Bekannter. Ein Teil des Anfangs des Filmes erinnert recht an Desperation Road, auch dort ein noch junger Exhäftling, ein früherer Strafgefangener, kein wirklicher Krimineller, eher einer, der zufällig auf die schiefe Bahn geraten ist und nun recht ahnungslos, mit nichts und bald mit vielen Problemen dasteht. Hier ist die Figur naiver, noch jünger, sie ist nicht unbedingt auf den Kopf gefallen, aber beeinflussbar, und den drohenden Gefahren gegenüber blinder. Hier wie dort kommt der Mann bei seinem Vater unter, die Rückkehr in die Familie, in die Arme des Erzeugers, und er wird bald zum Beschützer, dort aber eher als Drama erzählt, hier als Thriller, kürzer, präziser, fokussierter. Zwingender.
Die Dringlichkeit des Geschehens hier wird dabei relativ schnell klar, die Inszenierung ist eher beiläufig, knapp gehalten haben, sie webt Charakterzeichnungen und Hintergründe nebenbei mit ein, sie ist simpel gehalten, nicht zu bedeutsam, sie wirkt dennoch interessiert und konzentriert. "A classic misdirection", das wirkt ein bisschen wie die späten Achtziger oder eher noch die frühen Neunziger, man betont nicht zu sehr, selbst die Farben sind eingangs etwas blässlich, man steckt keine Elendsgeschichte mit hinein, die Gegend selbst in Chesapeak, Virginia ist nicht reich, aber sie kommt damit klar, das Setting ist verlässlich. Einige kräftige Naturaufnahmen später gerade in Currituck, North Carolina (Sonne, Meer, Palmen, Strand, Dünen) laden zum Verweilen ein und verkünden eine Freiheit, die den Personen im Zentrum der Geschichte länger nicht vergönnt war und neu für sie ist, die auch noch nicht genossen werden kann, weil andere Dinge auf der Agenda stehen, weil noch Schwierigkeiten auszuhebeln sind. Darstellerisch ohne Ausfälle, dramaturgisch eingangs An- und Entspannung, Ebbe und Flut, man könnte beim Weglassen einiger Details und Veränderungen von Stimmungen und Missstimmungen auch eine aufblühende Romanze draus machen, oder einen Abenteuerfilm, es wird genug über ein versunkenes Schiff herumgerätselt und Mysterien auch darüber gestrickt.
Dass beides nur angedeutet wird und das Große und Ganze ein Thriller ist und Spannungs'kino' wird, das eine andere Klientel bedient, liegt dann an Mulroney, welcher eingangs unterspielt und später dann aufdreht. Eine blutige Attacke auf dem Gefängnishof, "Hey, you ride along." - "What do I do when I get there?" - "Grab a coffee, flirt with a nurse." - "Should I cuff him?" - "You wanna cuff a corpse, go ahead.", ein violenter Ausbruch, eine Menschenjagd, und eine Umkehr in die Gefilde von Kap der Angst und Co., mit eigenen kleinen Einfällen, mit einer toxischen Dreiecksbeziehung, mit einer falschen Freundschaft, mit Geheimnissen, die früher aufgeklärt werden, als den Beteiligten lieb ist, und bis dato auch dem Zuschauer zuweilen vorenthalten werden; und dessen Zwiespalt der Offenbarung und der Überraschungen erneut einen Sturm aufziehen lassen, tosend und tobend, moralisch nicht ohne Interesse, mit persönlichen Eigenheiten, und ebenso persönlich (mit nur einer Kamera) und ohne Mühen zu scheuen gefilmt.