Prequelparadigma
Nachdem die letztjährige Fortsetzung zu „Exorzist“ eindrucksvoll bewiesen hat, wie man ein legendäres Horrorfranchise verkackt, hat nach „The First Omen“ eigentlich kein Hahn gekräht. Schlimmstes war zu erwarten. Umso toller, dass dieses okkulte Nonnenprequel über alle Maße abliefert und für mich sogar eins der stilvollsten, effektivsten Prequels der Horrorhistorie ist. Bam! Erzählt wird von einer jungen Amerikanerin, die in einem Kloster im Rom der 70er einem dunklen, kirchlich-satanistischen Treiben und Reigen auf die Spur kommt…
Ein böses Omen
Klar, das Original „Omen“ ist ein verifizierter Klassiker. Aber die damaligen Fortsetzungen haben das Franchise jetzt nicht gerade zu einem gemacht, von dem z.B. die heutige Jugend noch spricht. Vom missratenen Remake Mitte der 00er will ich gar nicht anfangen. Aber das könnte sich nun mit „Das erste Omen“ ändern, den viele in Kombi mit (dem etwas schwächeren und extrem ähnlichen) „Immaculate“ gucken und der der beste Ableger der Reihe seit dem Original ist. Mit Abstand. Obwohl das nicht allzu viel heißt. Das Lob zu den besten Horrorprequels (mit u.a. dem „The Thing“-Prequel oder „Ouija 2“) zu zählen, ebenso wenig. Eine solche Liste ist gewissermassen erstaunlich übersichtlich und unter Vorbehalten. Und das originale „Omen“ bleibt eh einsam an der Spitze. Aber „The First Omen“ hat eben viel mehr Daseinsberechtigung als ich ihm vorher zugetraut hätte. Erst recht im Vergleich zum letztjährigen „Exorcist: Believer“, das muss man wiederholen. Das ist eine Deklassierung. Nell Tiger Free sticht intensiv hervor. Positiv, versteht sich. Der grieselig-schwitzige Charme des Roms der 70er wird atmosphärisch bockstark und hochwertig eingefangen. Es gibt einige wirklich bösartige und garstige Szenen, gerade wenn es um Geburten und Kaiserschnitte geht. Die Verbindungen zum Original sind nicht total unhomogen. Die Thesen und Verbindungen zu aktuellen Themen wie „Gleichberechtigung“ und „Kirchenaustritte“ werden clever eingewoben. Für ein Regiedebüt ist das alles noch beachtlicher. Nur Bill Nighy steht etwas seltsam und zu väterlich hervor. Und für das Übersichtliche, was er erzählt, ist die Minutenanzahl auf der Uhr am Ende vielleicht etwas zu hoch. Und der Bodycount ist eher auf dem Niveau des Jahrzehnts, wo „First Omen“ auch spielt, nicht auf aktuellen Standards. Aber das passt und macht ihn noch authentischer, düsterer, mysteriöser. Das hatte ich alles dermaßen vorher nicht auf dem Zettel. Kaum einer wird das.
666
Fazit: effektiv, grausam, wunderschön - „The First Omen“ ist in seinen besten Momenten auf Augenhöhe mit dem Original und absolutes Pflichtprogramm für Fans von okkultem Horror! Ein Revival für ein Franchise, wo man gar nicht wusste, dass man das braucht… Okay. Nehm ich.