Review

Leider ist es mit spät nachgeschobenen Serien-Beiträgen so eine Sache - kommen sie zu spät, reissen sie die ursprünglichen Fans nicht mehr vom Hocker und können auch Neu-Seher nicht unbedingt für das Thema begeistern, da der Erfolg des Originals zeitgeschichtlich eingebettet in Gesellschaftsstruktur und sozialer Relevanz bedingt war. So geschehen bei den beiden Prequels von "Der Exorzist" und dessen überflüssiger Fortsetzung im Jahre 2023 (obwohl es mit Staffel 1 der TV-Serie bereits eine akzeptable Fortführung gegeben hatte) und mit Teil IV der "Das Omen"-Reihe, die selbst erst als Höhepunkt einer nach dem Erfolg des Originals entstandenen Tsunami-Welle von Horrorfilmen mit religiösem Hintergrund auf die Welt losgelassen wurde.

"Das Omen" ist für mich stets der bessere "Exorzist" gewesen, obwohl er konventioneller und effekthascherischer erzählt und inszeniert ist und hat dementsprechend einen hohen Rang in meiner Wertung. Die Trilogie funktioniert für mich ähnlich gut wie die des Original-Exorzisten und warum sollte man an dieser Stelle jemals wissen wollen, was vor Teil 1 passiert ist?

Leider ist das auch der falsche Beweggrund, sich die nun im Jahre 2024 veröffentlichte Prequel-Fassung, logischerweise "Das Erste Omen" betitelt, anzuschauen, denn man bekommt leider genau das, was man erwartet: Die Geschichte der Geburt von Damien, dem Sohn des Satans. Diese leider erst nach beinahe 110 Minuten an aufgetischten Belanglosigkeiten, von denen zuckende Leiber, die allzeit präsente Geburts-Faszination und wahrlich nicht originelle Handlungs-Twists noch die prägnantesten sind. Der Beginn lässt dabei noch hoffen, denn er ist zwar extrem vorhersehbar aber sehr gut inszeniert, passt jedoch im Nachhinein auch nicht mit dem grössten Wohlwollen zum Rest der sogenannten Handlung und wirkt wie nachgedreht, um dem Original seinen Tribut zu zollen.

Vielmehr schaut sich der Film wie eine Aneinanderreihung von am Reissbrett entworfenen halbfertigen Buzzword-Situationen an, die so wahllos aneinandergereiht wurden, als hätte man jeden der Beteiligten einmal die Schnitt-Maschine bedienen lassen. Uninspirierte Darsteller tun ihr übriges, wobei für mich Sonia Braga noch den besten Job macht, holt sie aus ihrer eindimensional geschriebenen Rolle doch das Beste (und das ist noch immer nicht viel) heraus. Bill Nighy (mit gleichbleibendem Gesichtsausdruck) und Charles Dance wirken ganz deplatziert und über Nell Tiger Free bereitet man aufgrund von mangelnder Präsenz und nicht vorhandenem Ausdruck am besten vollständig den Mantel des Schweigens.

Ärgerlich finde ich dazu die lange Laufzeit, die eingeworfenen und uninspiriert gefilmten Stücke des politischen Zeitgeschehens in Rom zur Zeit, in der der Film spielt und die überhaupt nicht nachvollziehbaren Motivationen der Charaktere. Insgesamt wirkt der Film daher wie Stückwerk und ich kann die international wohlwollenden Kritiken leider an keiner Stelle verstehen. Schade ist, dass man sich der Mythologie des "Omen" auf derartig effekthascherische Weise angenommen hat und sie nicht als zu belanglos in ihrer Kiste liegen gelassen hat, gleich dem toten Schakal im Originalfilm.

Als gut empfinde ich lediglich die verstörenden Kamerafahrten über die italienische Hauptstadt, die ihren Teil dazu beitragen, die hohen technischen product values hervorzukehren. Leider können auch diese nicht überspielen, dass es sich bei "Das Erste Omen" nicht nur um einen der unnötigsten sondern auch um einen der enttäuschendsten okkulten Horrorfilme handelt, die ich je gesehen habe.

Was man aus einem religiösen Horrorfilmthema noch herausholen kann, hat uns im gleichen Jahr dann "Immaculate" bewiesen, der in allen Belangen für mich eindeutig die Nase vorn hat.

Details
Ähnliche Filme