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Will Ferrell und Andrew Steele kannten sich schon lange. Beide arbeiteten bei „Saturday Night Live“ und über die Jahre ist da eine enge Freundschaft entstanden. Und so begibt sich Ferrell auf einen Roadtrip durch die USA mit Steele, die jetzt allerdings den Vornamen Harper trägt und eine Transfrau ist.

Die von Josh Greenbaum inszenierte Dokumentation begleitet die beiden Freunde nun auf dieser Reise und sammelt sowohl ihre Eindrücke, als auch die der Umgebung. Das Wort „inszeniert“ sollte einem Dokumentarfilm eigentlich fremd sein, im vorliegenden Fall muss man es aber verwenden. Was auch schon zum großen Kritikpunkt führt, denn „Will & Harper“ wirkt trotz all seiner Qualitäten inszenatorisch gewollt. Immer wieder lässt einen die musikalische Untermalung wissen, wie der jeweilige Abschnitt aufgenommen werden soll. Anstatt die Szenen einfach für sich sprechen zu lassen (wozu sie durchaus in der Lage wären), steuert Greenbaum das Publikum durch diese Realität. Soweit es eine ist. Vielleicht ist mein Misstrauen in die Menschheit auch einfach zu groß, aber es fällt mir schwer zu glauben, dass bei 250 gefilmten Stunden die Reaktionen in der Masse so positiv ausfallen. Ja, es wird kurz mal auf negative (nenn ich's mal) Äußerungen eingegangen, aber das war es dann auch schon. Ein Will Ferrell federt da wohl auch einiges ab.

Im Kern ist diese etwas über zweiwöchige Reise ein stimmungsvoller Erlebnisbericht aus dem Leben von Harper Steele, über ihre Wahrnehmung und die Schritte zurück in eine altbekannte und nun doch von äußerer und innerer Ansicht veränderten Welt. Und auch über den Blick auf sich selbst. Die Momente zwischen ihr und Ferrell lassen die Freundschaft zwischen den beiden spürbar werden und Harpers Geschichte steht wohl auch vertretend für viele andere, die diesen Weg (vielleicht noch nicht) gegangen sind. Ein sehr persönliches Thema, sympathisch bebildert.

„All I wanted to do was live.“

Ich hätte den beiden gerne noch länger auf ihrer Reise zugesehen. Dieses sensible Thema auf solch eine Weise aufzubereiten und näherzubringen ist interessant und der Status eines Will Ferrell ist dabei sicherlich hilfreich. Es bleiben Zweifel auf der inszenatorischen Ebene, wie weit das hier aus Gründen entschärft wurde. Harpers Geschichte und die unterhaltsame Reise mit Ferrell machen die Doku dennoch sehenswert.

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