Review

Einem so kostengünstigen, sprich rotzbilligen, Monsterheuler aus den späten 50ern, als die Alieninvasionen auch schon allesamt durch wahren und die Invasionen wesentlich komplexer wurden, würde man heutzutage keine Aufmerksamkeit mehr schenken, wenn...ja wenn man damals einen Mann für die Hauptrolle gecastet hätte, der nicht nur mit gut 28 Jahren für die jugendliche Hauptrolle viel zu steinalt war, sondern auch in den kommenden Jahren zu einem der Topstars Hollywoods heranwachsen sollte und das binnen der kommenden fünf Jahre: Steve McQueen.

Man kann getrost davon ausgehen, daß McQueen hier dringend Arbeit gebraucht hat, denn selbst gemäß seiner Affinität zu physischen Rollen und echter Action, ist das hier ein sehr dürftiger Autokinoburger.
Nur das Monster, das blieb im kollektiven Gedächtnis, nicht zuletzt weil es einerseits irgendwie lecker und andererseits total albern war.
Die Rede ist vom „Blob“, einer wackelpeterähnlichen Gallertmasse aus einem Meteoriten, das sich an organischer Materie festsaugt, um sie dann in einem schmerzhaften Prozeß zu absorbieren, bis keine Spur von den Opfern mehr übrig bleibt – und der Blob selbst dadurch immer größer wird.
Während ein filmisches Remake diesen horriblen Fähigkeiten in den 80er Jahren ekelhafte Rechnung trug, konnte das mit dem Schmalspurbudget der 50er natürlich nicht umgesetzt werden, meistens mußte man sich damit begnügen, den eigentlichen Auflösungsvorgang akustisch anzudeuten oder einfach auszublenden, schließlich war da ja noch eine Filmprüfstelle vorgelagert.

Der galaktische Reiseflugkörper plumpst hier wie in so vielen Filmen in einem abgelegenen Waldstück nahe einer typisch amerikanischen Kleinstadt (nur echt mit rot/weiß-karierten Tischdecken) herunter und knabbert einen vorwitzigen Landstreicher an, was die „Clique“ des Örtchens jedoch beobachtet, um den Mann baldigst zum Arzt zu schaffen, wo er nach erster Mahlzeit auch noch das medizinische Personal verspachtelt.
Nach diesem verheißungsvollen Beginn jedoch tritt der Film in der Folge meistens auf der Stelle, es geht hauptsächlich darum, daß die vielköpfige Polizeiwache eben dem bösen Buben McQueen (der im Grunde total straight, sauber und entwaffnend öde ist) nicht glaubt, was er gesehen hat, weil dieser wiederum den Polizisten auch nie richtig gesagt, was er gesehen hat bzw. nicht das sagt, was er sagen müßte, weil wir als Zuschauer dabei waren, als er es gesehen hat.

Währenddessen rollt unser Puddingklumpen (Geschmacksrichtung Himbeer) in die nahe Werkstatt, zieht einen Automechaniker unter dem Wagen weg und verknuspert trotz akuter Zeitlupenrollquote wohl auch (im Off) noch ein Cafe bzw. dessen Besatzung. Und es wird weiter diskutiert, telefoniert, den Beamten bei der Charakterstudie zugesehen, fürgesprochen, widersprochen und weiter diskutiert, bis der Käse nicht nur zum Bahnhof, sondern der Blob ins Kino gerollt ist, wo er aus dem Projektionsraum quillt.

Man merkt es schon, der Zuschauer braucht sehr viel Ruhe und Geduld bis zu den sparsamen Effektszenen, der halbe Film (der kaum 75 Minuten lang ist) ist eine Streckungsmaßnahme und der Rest auch nicht viel mehr Wert, auch wenn die Situation manchmal verblüffend peinlich an „Rebel without a cause“ erinnert.

Irvin S.Yeaworth, der Regisseur dieses gefeierten Schundfilms, war qualitativ sowieso nur einen Hauch besser als die größte Pfeife der gesamten SF-Regisseursinnung namens Bert I. Gordon und sein Oeuvre (sehr übersichtlich) ist hauptsächlich Schrott – besonders drollig und beknackt der zwei Jahre später dahingewürgte „Dinosaurus!“ (nur echt mit Ausrufezeichen, bei uns „Mördersaurier“), der Dinos mit Höhlenmenschen verband, die bei Ausschachtung auf einer Ferieninsel im Süden zum Vorschein kommen und langsam auftauen...

Die Tricks sind allerdings eine Reise wert, denn soviel Sirup oder Pudding wie hier durch die Modelle gepresst wurden, sind schon eine Leistung, die eines goldenen Zacherls wert wäre und wenn dann gar keine Kreativität oder Geld (oder beides) da war, dann ließ man den Glibber schlicht und einfach über Fotos von Locations laufen, merkt ja keiner. Da war es schon fast kreativ, den Film einfach rückwärts laufen zu lassen, wenn sich der Blob mal irgendwo wieder zurückzieht.

Ein Stinklangweiler, der seinen Kultstatus also mehr ein paar Zufällen verdankt, als wirklich guten oder schlechten Qualitäten, alles in allem überwiegt die erzählerische Ödnis sogar das Dilletantentum aller Beteiligten. Ich entrichte mal ehrerbietig drei Punkte für diese Kuriosität. (3/10)

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