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Mit relativ einfachsten Mitteln drehte Sofia Copolla einen wunderbaren Film, der sich nur auf seine zwei Hauptakteure stüzt und nicht mehr braucht, um zu gefallen.


Der Schauspieler Bob Harris (Bill Murray) kommt nach Japan, um dort einen Werbespot für einen Whiskey zu drehen. Und Japan ist mal ganz anders, als es sich Bob je hätte träumen lassen. Schlafen kann er eh nicht, das Fernsehen ist grausam schlecht, die Dusche zu klein, die Menschen zu freundlich, eigentlich ist hier alles anders. So sitzt Bob jeden Abend in der Bar und trink bzw. langweilt sich.
Genau so geht es der frisch verheirateten Charlotte (Scarlett Johansson). Sie befindet sich mit ihrem Mann John (Giovanni Ribisi) im gleichen Hotel, kann ebenfalls nicht schlafen und muss sich mit Johns dummen Freunden rumschlagen. So gesellt sie sich zu Bob. Anfang sind beide noch distanziert, dann taut Bob auf und macht mit Charlotte das Leben unsicher. Bob fängt an, sich in Charlotte zu verlieben und bleibt nur wegen ihr sogar länger in Japan. Denn Bobs Ehe ist nach 25 Jahren alles andere als noch frisch...


„Lost in Translation“ ist mal wieder einer dieser faszinierenden Filmchen, die es mit einfachsten Mitteln schaffen, den Zuschauer zu begeistern. Dies liegt natürlich nur an dem ungleichen Paar Johansson und Murray.
Beide verstehen es vorzüglich, ihre aktuelle Misere auszudrücken. Johansson spielt eine Charlotte, die sich mit dieser Welt nicht anfreunden kann, ihr Mann hat kaum Zeit für sie und versteht sich blendend mit einer anderen Schauspielerin, sie ist größtenteils alleine im Zimmer und ist einfach einsam.
In einer Paraderolle ist mal wieder Bill Murray, der seine Rolle als mürrischer Bob einfach perfekt spielt. Oft muss man lachen, wenn Bob minutenlang von einem japanischen Regisseur zugelabert wird und die Übersetzerin dann maximal einen Satz übersetzt. Hinzu kommen bissige Kommentare seitens Murray, der einfach nicht in diese Welt passt. Aber schon hier zeigt sich, dass die Peron Bob Harris eigentlich nirgends mehr zu Hause ist. Seine Beziehung zu seiner Frau ist alles andere als harmonisch, und auch am anderen Ende der Welt kommt er mit dem Leben nicht klar. Dies ändert sich erst, als die junge Charlotte in sein Leben tritt.

Dies ist eine weitere stärke des Films. Dem westlichen Zuschauer wird die Stadt Tokio mal genauer gezeigt, und man erwischt sich selbst dabei, wie man nur den Kopf schüttelt, was in der japanischen Hauptstadt so abgeht. Befremdlicher kann es eigentlich nicht mehr sein. Sehr schön ist auch, wie praktisch jeder Japaner überfreundlich ist und jeden zulabert, auch wenn er sich sicher sein muss, dass sein gegenüber nichts, aber auch gar nichts versteht. Dafür gibt es etliche Situationen, und wir erleben einfach nur Bobs genervtes Gesicht.

Preisfrage ist natürlich, was geschieht am Ende? Nun gut, dies wird hier nicht verraten, aber soviel sei gesagt, man muss schon selbst überlegen, was passiert ist und ob es überhaupt ein zweites Mal gibt. Das Ende lässt Copolla nämlich etwas offen, so dass man sich selbst seinen Teil denken kann. Jedoch wird es nicht schlüpfrig etc., dies hätte zum Film auch nicht gepasst. Jedenfalls wird man nach anderthalb Stunden einfach zufrieden sein.


Fazit: „Lost in Translation“ ist ein wunderbarer Film, der keine großen Effekte braucht, um zu begeistern. Es reichen zwei klasse Schauspieler und ein fremdes Land, fertig ist der Film. Klar, so einfach ist es nicht, aber wer Johansson und Murray zusieht, wird mir zustimmen. Der Film wankt zwischen Humor und Tragik und gerade das macht ihn so sehenswert. Sofia Copolla schuf einen anspruchsvollen Film, der sich nur einem widmet: Dem Menschen. Jedenfalls bekommt der Film meine volle Empfehlung. Für Murray-Fans ist er eh Pflicht.

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