Zwei in einem Hotel gestrandete Menschen in der so regen wie anonymen Großstadt Tokios, beide mit Problemen und beide isolierte, introvertierte Gestallten. Die 20 Jahre junge Charlotte (Scarlett Johansson) ist mit ihrem frisch angetrauten Ehemann, der beruflich nach Tokio musste, mitgereist. Bob (Bill Murray) ist ein altgedienter und auch erfolgreicher Schauspieler, der zwecks Dreharbeiten für einen Werbespot einige Wochen dort verweilen muss. Unverstanden und zurückgelassen fühlen sich beide von ihren Partnern und ihrem Umfeld. Bob mit einer unschönen Trennung beschäftigt und Charlotte von ihrem arbeitswütigen und sich mit oberflächlichen Menschen umgebenden Mann enttäuscht. Langsam und zaghaft begegnen sie sich. Man führt Small Talk, stürzt sich ins Nachtleben von Tokio und schließlich erwacht so etwas wie wahre Zuneigung und gegenseitiges Verständnis füreinander.
Der in der Fremde deutlicher werdende und lauernde Weltschmerz, denen unsere zwei Protagonisten verfallen, bleibt unkonkret und erfährt nur unbefriedigende Worte. So bleibt einem nichts anderes übrig, als den üppig dargereichten melancholischen Habitus unserer Helden als eitle wie ärgerliche Egozentrik abzutun. Dem Luxus überdrüssig und kaum noch Notiz von ihm nehmend, wird die künstlich herbeigerufenen Tristes einer gelangweilten Upper class unkritisch zum Mittelpunkt erkoren. Das grell urbane Leben Tokios unterstreicht noch einmal mehr die „Verlorenheit“, die sich sowohl in der Anonymität als auch der Fremdartigkeit niederschlägt. Es werden ausgiebig, meist melancholische, Stimmungs- und Gemütsimpressionen eingefangen. Da wird aus dem Fenster verträumt in die Ferne geschwelgt, in schick eingerichteten Hotelbars schwermütig am Tresen gelümmelt oder sich träge und selbstmitleidig im Bett herumgewälzt. Empathische Gefühle entstehen dabei allerdings nicht, vor allem wenn die Gründe für diese Luxus-Problemchen für die meisten unter uns nur wenig nachvollziehbar erscheinen.
Dass sich die unverstanden fühlende Charlotte nur beim resignierenden, ausgebrannten sowie altersmilden Bob verstanden fühlt ist dabei nur konsequent. Die dringend benötigte, fern der eigenen Generation stehende, Vaterfigur, die durchaus auch amouröse Gefühle hochkommen lässt, gibt dem untätigen, spätpubertär unreifen Leben die nötige Aufmerksamkeit und so wird zumindest für kurze Zeit der Einsamkeit zusammen gehuldigt. Bobs Probleme lassen sich zwar klar definieren und sind auch ein wenig greifbarer, kommen aber nicht über eine ausgelatscht klischeehafte Schilderung einer Midlife-Crisis hinaus.
Sofia Coppolas Interesse dreht sich, wie sich später noch bei „Marie Antonniete“ deutlicher zeigen wird, um eine privilegierte und sich unverstanden fühlenden Gesellschaftsschicht von jungen Menschen in ihrem luxuriösen Umfeld. Letztlich kommt diese angestrengt wirkende Inszenierung rund um die ein wenig snobistischen Figuren seltsam redundant und ja, ein wenig altklug daher. Einer hübschen, jungen Frau bei ihrem selbstmitleidigen und eitlen Selbstfindungstrip zuzusehen, lässt keine große Verbundenheit aufkommen und bietet auch nur wenig inhaltlichen Nährwert. Darüber hinaus bedient sich Coppola ärgerlicherweise den kulturellen Unterschieden Japans, um sie als Steilvorlagen für einige dürftige und nur wenig originelle Witzchen zu missbrauchen. Tokio wird als kunterbuntes Kuriositätenkabinett dargestellt, über das sich unsere selbstsicher beobachtenden Figuren nur wundern und/oder darüber lachen dürfen. Die Titelgebende Verlorenheit will gar nicht erst aufgegeben werden, daran hindert sie schon alleine ihre Egozentrik, mit der man sich zumindest von allen anderen so schön distanzieren und sich selbst zu etwas besonderen stilisieren kann. Tokio ist das wilde, kalt und frivol dargestellte Chaos, aus dem sich unsere Protagonisten weitgehend heraushalten und es ausschließlich aus der nestwarm eingerichteten Ferne erhaben betrachten.
„Lost in Translation“ bietet zwar ausreichend schöne Bilder, benutzt diese aber ausschließlich als ästhetische Fassade rund um seine langweiligen, hohlen, dekadenten und vor allem unsympathischen Figuren.
Dass viel Persönliches von Sofia Coppola in diesen Film geflossen ist, wird schnell klar. Leicht ist sie aus der unerfüllt wirkenden und dennoch romantisch sehnsuchtsvollen Charlotte herauszuschälen (sogar äußerlich ist eine gewisse Ähnlichkeit auszumachen). Da sich der Film aber hauptsächlich und detailverliebt um sie dreht, kommt auch der Verdacht hoch, einem eitlen Egotrip einer leicht schwermütigen Regisseurin zuzusehen. Die bedächtig langsame Inszenierung, die bedeutungsschwanger um auf eine dahinter schwelende Tiefe aufmerksam zu machen scheint, entlarvt sich dabei auch recht bald als ein fauler und irreführender Budenzauber. Hie und da schleichen sich aber noch wirklich gelungene und reife Momente ein. Etwa die ersten zarten Liebesbekundungen zwischen Charlotte und Bob oder das mittlerweile berühmte Ende in den Häuserschluchten von Tokio, untermalt von Jesus & the Mary Chain’s „Just like Honey“. Überhaupt, der sehr gute, aber nicht unbedingt einfallsreich oder überraschend ausgesuchte Soundtrack, und das intime wie kraftvolle Schauspiel von Scarlett Johansson und Bill Murray berichtigt viel was sonst knallhart das wahre, wenig interessante und selbstverliebt prätentiöse Gesicht des Filmes preisgeben würde.