"Lost in Translation" - ein gefeiertes Werk, welches durchweg gute Kritiken einheimste. Sofia Coppola trägt einen mächtigen Nachnahmen, dennoch fand sie ihren ganz eigenen individuellen Stil. Das dieser sich nicht zwangsläufig auf das Mainstream-Publikum konzentriert, macht sie mit diesem Werk eindeutig klar.
Bill Murray, ein stets sympathischer, leicht kauziger Schauspieler, meistert seine Rolle als Filmschauspieler genauso bravurös wie Scarlett Johansson, welche durch diesen Film quasi weltweit berühmt wurde. Bill Murray spielt den Filmschauspieler, welcher in Tokio hier und da Interviews geben muss, einen Werbespot dreht und sich jeden Abend in der Bar das ein oder andere Gläschen genehmigt, da ihn die Schlaflosigkeit plagt. Nicht anders ergeht es Scarlett Johanssons Charakter. Im Handgepäck ihres Mannes, welcher ein Fotograf ist und seine handelsüblichen Etappen in Tokio abklappern muss, fühl auch sie sich verloren in der Großstadt. Auch sie plagt die Schlaflosigkeit, auch sie widmet sich der Bar zu. Die Geschichte kann beginnen.
Es treffen sich zwei unterschiedliche Menschen, welche aber das gleiche Problem plagt. Die Hilflosigkeit, die Einsamkeit, welche hier jedoch zur Zweisamkeit verkommt. Es ist keine traditionelle Liebesgeschichte, eine wirkliche Freundschaft baut sich auch nicht auf, es geht hier mehr um Seelenverwandtschaft. Sie fühlt sich ihm angezogen, er begrüßt sie mit offenen Armen. Gemeinsam meistern sie die Tücken des alltäglichen Lebens. Eingepfercht auf einer Insel, Flucht vor der Realität. Jedoch kann diese Bindung nicht ewig halten, beide werden abreisen müssen. Und so endet der Film auch. Murray reist ab, geküsst wird die holde Maid aber dennoch. Hollywood-Konvention? Aber bitte. Man sollte nicht den Abend vor den Tag loben!
Coppola versucht eine tiefenergreifende Charakterstudie aufzubauen, dass nötige Händchen hat sie dafür nicht. Sie zeigt durchaus Emotionen, auch die Schwächen offenbart sie gekonnt. Aber die wahre Kunst zur Publikumsbeziehung fehlt ihr. Eine Identifikation findet nicht statt, die Protagonisten bleiben nur 2 vereinsamte Seelen, welche auf ihre Art versuchen, das Leben in den Griff zu bekommen. Der Zuschauer bleibt da außen vor. Er ist nur der stille Betrachter. Man kann es fast schon eine inszenatorische Kälte bezeichnen. Und die ist sicher nicht ungewollt, da die Botschaft doch wohlwollend positiv gestimmt ist. Was fehlt ist der letzte Schliff. Eine ausdifferenzierte Charakterausbauung hätte dem Film sicher gut getan. Auch wenn der Film von vielen Cineasten als kleine Perle bezeichnet wird, kann man nicht verleugnen, dass sich Coppola still und leise genüsslich diverser Hollywood-Konventionen als auch gängiger Klischees bedient. Hübsch verpackt durch die melancholisch, aber nie dramatische Fassade der Story, welche nur als Vorwand dient, eine Charakterstudie aufzubauen, welches ihr aber nicht wirklich gelingt.
Man kann hier nun von einem subversiven Paradoxon reden, doch man darf nicht vergessen, dass die 2 Hauptdarsteller in ihren Rollen quasi aufblühen. Trotz ihrer rein oberflächlichen Emotionen nimmt man ihnen ihre Rollen ab - in jeder Szene. Und Bill Murray zaubert doch jedem ein Schmunzeln auf die Lippen. Allein die ersten 20 Minuten sind amüsant und haben den Wind des Frischen. Danach geht es nicht unbedingt bergab, es bleibt mehr konstant, eine Steigerung sucht man vergebens.
Sofia Coppola wollte von zwei verlorenen Seelen in einer unübersichtlichen Großstadt erzählen. Der Ansatz ist gut, die Darstellung nahezu perfekt, aber die Story ist nur bedingt nachvollziehbar und eine absolute Bindung baut man nie auf. Eine anspruchslose Selbstdarstellung der Protagonisten, welche durch eine hübsche Location laufen. Der Score gefällt aber ebenfalls und der Film ist alles in allem sehr ruhig gehalten, nicht hektisch, nicht laut. Aber liebenswert. Auf seine ganz spezifische Art. Nun kann man getrost sagen, dass der Kuss reine Hollywood-Konvention war - und nebenbei völlig fehl am Platz.
Achja...was Bill Murray in der letzten Szene Scarlett Johansson ins Ohr geflüstert hat, wird wohl ewig ihr kleines Geheimnis bleiben.