Da ist den Verantwortlichen vom deutschen Verleih wohl keine gute deutsche Übersetzung für den Filmtitel eingefallen. Das ist zwar meistens so, was sie aber in der Regel nicht davon abhält, die Kinogänger trotzdem mit fiesen deutschen Verhunzungen der englischen Originaltitel zu erschrecken. ‚In der Übersetzung verloren gegangen.’ Das klingt nicht gerade nach klingelnden Kinokassen. Deshalb – oder aus welchen Gründen auch immer – hat der deutsche Verleih wohl auf einen deutschen Titel verzichtet. Zum Glück.
Ein Mann, eine Frau, eine Stadt. Er ist ein alternder Filmstar, sie ist eine junge, verheiratete Frau. Sie haben scheinbar nichts gemeinsam, außer, dass sie Amerikaner in Tokio sind und im gleichen Hotel wohnen.
Aus dieser simplen, fast schon abgedroschenen Grundkonstellation zaubert Sofia Coppola zusammen mit ihren beiden grandiosen Hauptdarstellern Scarlett Johansson und Bill Murray überwältigend schönes Kino. Hier geht es nur beiläufig um die Entwicklung einer Geschichte, sondern vielmehr um Momente, Situationen, Augenblicke, Atmosphäre, wodurch der Film eine Lebensnähe erreicht, die seinesgleichen sucht. Fast beiläufig entwickelt sich die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren des Films. Sofia Coppola inszeniert den Film mit unvermuteter Souveränität gegen die Sehgewohnheiten des vom Eventkino geprägten Kinopublikums, denn sie hat Mut zu der Langsamkeit, die der Film braucht, um seine Geschichte glaubwürdig zu erzählen. Und so einfach die Geschichte daherkommt, so vielschichtig ist sie: es geht um das Gefühl der Verlorenheit und Einsamkeit in einer fremden Stadt, ja, womöglich sogar in einer Welt, die uns fremd geworden zu sein scheint; es geht um die Unfähigkeit, sein eigenes Leben zu meistern, beide Hauptfiguren sind sich selbst, ihrer Frau bzw. ihrem Mann und ihrer ganzen Umgebung entfremdet – dies verbindet beide trotz ihrer doch großen Verschiedenheit (Midlife-Crisis vs. jugendliche Selbstfindungsprobleme); und es geht natürlich um die Liebe.
Ich möchte behaupten, dass Sofia Coppola mit „Lost in Translation“ nicht nur ein Highlight des komischen, sondern zugleich auch des erotischen Films geschaffen hat. Warum das? Weil sie so klug ist, die beiden Hauptfiguren nicht miteinander ins Bett gehen zu lassen. Die erogenste Zone ist der Kopf. Auch ist ihr Film überhaupt nicht kitschig, sondern geradezu dezent, was sowohl an den erlesenen, aber ungekünstelten Bildern und der effektvoll kompilierten Musik, als auch natürlich dem überaus subtilen, präzisen und nuancierten Spiel der Darsteller liegt. Gerade wegen seiner Zurückhaltung ist „Lost in Translation“ ein überaus ergreifender, bittersüßer Film: komisch, weise, melancholisch. Große Gefühle in kleinen Gesten.