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Der alternde Filmstar Bob Harris hat seine große Zeit längst hinter sich. Anstatt auf den Bühnen der Welt oder in großen Produktionen mitzuspielen, muß er nun in Japan Werbefilme für Whiskey drehen. In seinem Hotel trifft er auf Charlotte, die sich in der östlichen Kultur ebenso wenig zurechtfindet, wie Bob selbst. Sie hat ihren Mann begleitet, der Photograph ist und geschäftlich nach Japan reisen mußte. Obwohl Charlotte viel jünger ist als Bob, verstehen sich beide auf Anhieb. Zusammen versuchen sie, aus der Trostlosigkeit ihres Alltags zu entfliehen.

Nachdem Sofia Coppola mit der Schauspielerei kläglich gescheitert ist und für „Der Pate 3“ sogar mit der goldenen Himbeere ausgezeichnet wurde, versucht sie sich nun als Regisseurin. Und gleich mit ihrem ersten Film „Lost in Translation“ hat sie ein Werk erschaffen, das einfach nur als „wunderbar“ zu bezeichnen ist. Mit viel Gespür für ihre Figuren und die menschlichen Emotionen im Allgemeinen erzählt sie eine sehr unkonventionelle Liebesgeschichte. Bob Harris hat einen Großteil seines Lebens schon hinter sich und ist sich dessen auch bewusst. Charlotte steht noch am Beginn ihrer Laufbahn. Beide jedoch verbindet das Gefühl der Einsamkeit. Zwar ist Bob seit 25 Jahren verheiratet, allerdings hat die Liebe in der Beziehung zu seiner Frau keinen Platz mehr. Charlotte ist ebenfalls seit 2 Jahren liiert, jedoch ist ihr Mann den ganzen Tag unterwegs und hat keine Zeit für sie. Zusätzlich fühlen sie sich in der Metropole Tokyo beide nicht am richtigen Platz, können sich nicht wirklich integrieren.
So ist es kaum verwunderlich, daß beide irgendwann in der Bar ihres Hotels aufeinandertreffen. Zusammen ziehen sie durch das nächtliche Leben Japans und geraten nicht zuletzt aufgrund von Verständigungsproblemen zwischen Ost und West in sehr komische Situationen.

Getragen wird „Lost in Translation“ vor allen Dingen von den Schauspielern. Sowohl Bill Murray als auch Scarlett Johansson schaffen es, dem Zuschauer die Figuren derartig nah zu bringen, daß man sich nach Ende des Films gar nicht mehr von ihnen trennen möchte. Murray gibt hier wieder einmal den Zyniker, wofür er prädestiniert ist. Allerdings verleiht er seinem Charakter auch eine melancholische Grundnote und gerät so nie in Gefahr, ins Lächerliche oder in den Slapstick abzurutschen.
Die relativ unbekannte Scarlett Johansson spielt Charlotte mit der für junge Erwachsene so typische Ungewissheit, was das Leben bringen wird. Hierbei kann sie jede Sekunde überzeugen und muß sich nicht hinter ihrem übergroßen Partner verstecken.

„Lost in Translation“ ist bei all seiner Tragik trotzdem ein Film zum träumen. Wenn die Credits über die Leinwand laufen, wünscht man sich als Zuschauer, Bob und Charlotte noch ein wenig länger begleiten zu dürfen. Die Verbindung zwischen dem großartigen Feingefühl für menschliche Emotionen und den tollen Bildern ergibt eine Liebesgeschichte, die fernab von Kitsch und Pathos auf ihre Art wundervoll ist.
9/10 Punkte

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