Review

Nachdem der Film mehrere Male für den Oscar nominiert und einmal ausgezeichnet wurde, wollte ich den Film natürlich unbedingt sehen. Leider musste ich warten, bis sich das Kino hier auch mal dazu entschloss, den Film zu zeigen. Aber zum Glück sollte ich die Wartezeit nicht bereuen...

Bob Harris (Bill Murray) ist Schauspieler und muss aufgrund eines Werbespots nach Tokio reisen. Ohne Japan-Sprachkenntnisse, ohne die Familie, die nur noch wenig Verständnis für seine Arbeitsreisen hat, und mitten in seiner Midlifecrisis, lernt er kurz darauf in dem Großstadtdschungel eine junge Frau kennen, die ähnliche Probleme hat. Ihr Mann nimmt sie nicht mehr richtig war, verkennt ihre Gefühle und ist ein Egoist. Aufgrund der ähnlichen Situation kommen sie sich langsam näher...
Keine revolutionäre Story, aber dennoch unglaublich sympathisch erzählt und mit so vielen Charakteren gespickt, die einen super unterhalten, zum lachen bringen und, wie der restliche Film auch, für etwas mehr als 1 1/2 Stunden den eigenen Alltag vergessen lassen. Wie der Film dann letztendlich ausgeht, will ich gar nicht erzählen und kann es fast auch gar nicht, da jeder sich seine eigenen Gedanken machen muss - bei der Schlussszene...
Es gibt so oft Miniszenen, in denen nicht gesprochen wird, die eigentlich auch gar nicht wirklich in den Film passen und man manchmal da sitzt und sich denkt, warum wurde das denn gerade gezeigt (jedenfalls erging es mir des Öfteren so...). Dann denkt man nach und man muss feststellen, dass diese Szenen irgendwie etwas "Normales" haben (vielleicht war ich zu doof, um die Szenen zu verstehen, aber beispielsweise habe ich mich gefragt, warum 15 Sekunden gezeigt wird, dass Bob Golf spielt... Vielleicht klärt sich ja einiges beim 2. Anschauen...). Das sind aber nur kleine Szenen. Dann hätten wir da noch eine Menge Hauptszenen, die zum Teil unglaublich komisch sind. Da wäre der Dreh des Werbespots, in dem Bill Murray "verloren in der japanischen Sprache" ist. Aufgrund der grandiosen Schauspielleistung von Bill Murray und seiner überragenden, tristen und monotonen (halt, war da am Ende ein Lachen.... ;-)) Mimik, ist diese Szene zusammen mit der "Stlumpf"-Szene eine der lustigsten und konnte selbst mich, der eher sehr schwer zum lachen zu bringen ist, zu Lachtränen bringen. Im weiteren Verlauf des Films wird weniger für die Lachmuskeln getan und geht zunehmend in eine außergewöhnliche Beziehung zwischen den beiden Hauptdarstellern über. Sie lernen sich kennen, haben häufiger Probleme mit ihren Ehepartnern und kommen sich immer näher. Vom lächeln hin zum weggehen, zum Filmabend bis hin zum ersten Körperkontakt (nein, etwas ganz Anderes, als das, was das von mir beschriebene vermuten lässt...). Doch dann rückt die Abreise von Bob immer näher und ein Fehler von Bob könnte alles doch irgendwie zum Schlechten wenden... Wie oben schon beschrieben, wird das Ende praktisch offen gelassen und jeder kann sich seine Gedanken zum Ausgang machen.
Die Schauspieler spielen alle klasse - allen voran natürlich Bill Murray und Scarlett Johannson. Bill Murray bietet hier eine der besten Leistungen seiner Karriere. Vor allem seine Mimik, die seiner Lebenskrise perfekt Ausdruck verleiht und die monoton und fast schon von allem gelangweilt scheint und sein trockener Humor machen ihn zu einem sehr interessanten Charakter, der schlecht als Identifikationsfigur dient, aber dennoch einer, den man so schnell nicht vergessen wird.
Die zum Teil langen Aufnahmen von Tokio unterstreichen die Atmosphäre, die auch sehr gelungen ist. Man fühlt sich im Kinosessel schon verloren in der riesigen Stadt und kann sehr gut nachvollziehen, wie sich die beiden wohl fühlen müssen.

Alles in allem ist der Film schon fast ein Geniestreich, dennoch wird er garantiert nicht alle Kinofans ansprechen - zu langsam und gemächlich geht es zum Teil zu und das wird nicht jedem gefallen. Dennoch passt für mich alles an diesem Film - Schauspieler, Kamera, Musik, Storyentwicklung... Absoluter Geheimtipp, den man sich unbedingt ansehen sollte!

Details
Ähnliche Filme