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Bill Murray in Tokyo - dieser Film kann nur gut werden! Sein trockener und bissiger Humor in der symbolträchtigsten Großstadt überhaupt führt zu einem Monument des urbanen Satyriums. Murray spielt Bill, ein abgehalfterter Schauspieler, der sich nun mit dem Dreh für einen Whiskeywerbespot über Wasser halten muß. Die eigentliche Story ist schnell erzählt: Midlife-Crisis-Man langweilt sich im Hotel, lernt dabei die sich ebenfalls langweilende jugendliche Charlotte kennen. Gemeinsam entdecken sie Tokyo, Gemeinsamkeiten und letztlich den Hauch von Liebe.

Coppola versteht es in herausragender Weise, für sich alleinstehende nichtssagende Szenen so aneinander zu reihen, daß sie Sinn ergeben und ein phantastisches Gesamtkunstwerk erschaffen. Damit reiht sie sich ein in die Meister des objektiv beobachtenden Filmeschaffens. Harte Szenenschnitte, Ausschnitte aus dem Leben und ein detailverliebter Blick auf die Unzulänglichkeit der Menschen sorgt für Unterhaltung der besonderen Art.

Sei es Bill Murray im Aufzug, umringt von lauter kleineren Japanern, im Kampf mit dem Laufband oder dessen genervte Mimik des nächtens durch eintrudelnde Faxe - alles wirkt so vertraut, bekannt, real und nah - auch wenn natürlich nur Klischees befriedigt werden. Ebenso tragen übertrieben enervierende Szenen zum Schmunzeln bei, etwa die ewig langen Sequenzen beim Werbespotdreh oder Fotoshooting.

Murray dominiert, aber auch Johansson glänzt in ihrer Rolle und hat das Quäntchen Lolitaausstrahlung, das den väterlichen Freund ihr gefährlich werden läßt und den Zuschauer fesselnd vor die Mattscheibe bindet.

Geniale Sequenzen, Humor und genug Anregungen zum Sinnieren bietet dieser Film ebenso wie die unbeantwortbare Frage: Können sich zwei verheiratete Menschen lieben, setzen sie ihr bisheriges Leben aufs Spiel, geben sie all ihre Zukunftspläne auf, werfen sie aufgrund der Entfremdung vom Partner wirklich das Handtuch und wagen einen Neuanfang - oder reicht das Wissen ob der Möglichkeit hierzu aus und läßt die notwendige Spontaneität nicht zu und alles bleibt alltäglich wie bisher?

Ein Film über das Verschwimmen der Grenze von Freundschaft zu Liebe. Man hätte ihn nicht besser machen können.

(10/10)

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