Review

Unglaublich cool und unglaublich hart inszenierte Quentin Tarantino seine persönliche Hommage an den asiatischen Film, der ihn unbestreitbar prägte...

„KILL BILL“


Rache ist süß und natürlich ein Gericht was am besten kalt serviert wird, denkt sich die Frau die aus dem Koma erwacht (Uma Thurman) und langsam wieder ihr Gedächtnis zurückerlangt.
Auf ihrer Hochzeit wurde sie gnadenlos niedergeschossen, samt Baby im Bauch, Mann und Priester. Fatal aber absehbar, wenn man Mitglied der besten weiblichen Killerelite der Welt war und dann aussteigen wollte. So ist die namenlose Frau nun auf sich gestellt und das einzige was sie jetzt noch verspürt ist der Drang nach Genugtuung, indem sie die Mörder ihres Kindes und Mannes rächt...


Wow... Atemberaubend ästhetisch, erbarmungslos und kalkuliert, inszenierte Tarantino den Rachefeldzug einer Frau. In Anlehnung an bekannte Eastern- Streifen mit dem sagenhaften Bruce Lee und der Tarantinoeigenen Note Filme zu wahren optischen Kunstwerken zu machen, wird dem Zuschauer keine Pause gegönnt. Typisch Tarantino halt!
Der Identifikationsfaktor mit Uma Thurman, die ihren Rachefeldzug startet ist enorm groß- Ja es wird sogar verständlich warum sie so agiert, was einen doch erschreckt. Tarantinos Begabung den Zuschauer in Verlegenheitssituationen zu bringen unterstützt von der schauspielerischen Genialität Uma Thurmans und dazu noch die berauschenden Bilderfluten in Form von Anime Sequenzen beispielsweise, sorgen für eine einwandfreie Unterhaltung in Form von begeistertem an die Leinwand starren und konsequentem Miteifern für die Protagonistin.

Es geht in „Kill Bill“ um die Präsentation von selbstgefälliger Brutalität. Tarantino schafft es, so krank wie es ist, eine befürwortende Haltung des Zuschauers für die Handlungen der Protagonistin zu etablieren. Verfänglich und genial zugleich.
Selbstjustiz unter dem Deckmantel des tradierten Ehrenkodex der „Samurai“ wird somit ein ganzes Stück weit, zumindest für die Laufzeit des Filmes, auch zum Ideal des Zuschauers.
Hart ist das ja schon, denn neben dieser dürftigen Legitimation verstärkt Tarantino den Effekt durch eine absolute Ästhetisierung der Gewaltdarstellungen. Genial und krank zugleich- typisch Tarantino halt.


FAZIT:

„Kill Bill“ ist ein Film der durch eine geniale Atmosphäre, brilliante Darsteller, interessante filmische Stilwechsel und einer mächtigen Portion ästhetisierter Gewalt glänzt. Das „Kill Bill“ nix für die kleinen ist, ist klar! Doch deswegen ist die „Message“ des Films nicht haltbar! Auf der einen Seite werden Filme, die Selbstjustiz nicht als manifestes Thema haben niedergemacht („Running Scared“) , aber „Kill Bill“ darf das, weil Tarantino am schaffen war... . Nichtsdestotrotz ist Tarantino ein Top-Film gelungen, der aber nicht ganz unhinterfragt bezüglich seiner Aussage bleiben sollte. Erst dann, wer es dann noch kann, wird der Film zum Genuss!

2 Punkte mit einem reinen Gewissen, die der Fragwürdigkeit der filmischen Aussage Rechnung trägt.
9 Punkte für den reinen unreflektierten Unterhaltungswert.

11 : 2 = 5,5 Punkte

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