An ihrer Hochzeit wird einer schnuckligen Frau (Uma Thurman) ordentlich Saures gegeben und der Rest der Anwesenden abgemurkst. Ihr Name wird andauernd weggepiepst, weshalb man auch "die Braut" zu ihr sagen kann. Jedenfalls war die Braut auch noch schwanger und sollte eigentlich gar nicht überleben. Naja, der Film wäre ja auch tierisch langweilig geworden (oder etwa nicht?), wenn sie abgekratzt wär. Was uns auch gleich zum Rest der Story führt: Sie will sich jetzt nämlich an ihren Peinigern rächern. In der ersten Hälfte des Films rechnet sie aber erstmal mit Vernita Green (Vivica A. Fox) und O'Ren Ishii (Lucy Liu) ab.
Schon ein bisschen wenig, was einem da an Handlung aufgetischt wird, aber Tarantino weiß ja, wie man wenig Handlung gut verpackt, wenn man sich mal Reservoir Dogs als Referenz heranzieht. Anders als bei jenem Streifen profitiert "Kill Bill Vol.1" aber wohl am meisten von einem tollen, eigenen Stil. Dabei muss man korrekterweise eigentlich Stilmix sagen. Es wurde sich nämlich eifrig bei einschlägigen Filmen aus Fernost bedient, um eine möglichst frische Mischung zu kreieren. Ob nun ein bisschen Yakuza, Samurai oder auch Hong Kong-artiges Flair. Dazu noch die typischen Dialoge, die so cool wie möglich aufgezogen sind. Aber auch tolle Kamerafahrten, stellenweise ellenlang, oder prima Einstellungen wurden integriert. Man kann durchaus sagen, dass der Film mit seinem Stil etwas vollkommen Eigenes geschaffen hat und in dieser Beziehung Spitzenklasse ist.
Dabei fällt natürlich wieder der hohe Gewaltgrad auf, der in seiner Intensität alle Tarantinostreifen zusammen locker wegsteckt und als Hommage ans japanische Kino zu verstehen ist.
Bleibt man aber mal objektiv, so hat der Film neben seinem tollen Stil nicht mehr so viel zu bieten. Selbstverständlich sind die Dialoge dramaturgisch schon ausgereift, rücken aber zu sehr in den Vordergrund, als dass man sie inhaltich so nichtssagend lassen kann. Teilweise sülzen sich die Figuren nur noch mit leeren Phrasen voll. "Was sagt der Igel zum Hasen? - Ich bin schon da!" - auf so was kann ich durchaus verzichten. Wie ich bereits erwähnte: Dramaturgisch noch vertretbar, aber viel zu plump und aufgesetzt.
Darüber hinaus wirkt der Film seinem Stil zum Trotz ob seiner mannigfaltigen Dialoge über die Maßen in die Länge gezogen. Dabei sind die Darsteller Tarantino-typisch optimal gewählt, wobei ich mich bei Vol.1 wenn schon noch an Thurman und Liu anstoßen würde. Beide zeigen zwar keine richtigen Schnitzer, während Liu aber irgendwie desinteressiert und uninspiriert daherkommt, ist Thurmann bisweilen zu aufgesetzt. Die Rolle der scharfen Verführerin in "Pulp Fiction" oder dieser Pflanzenlady in dem mittelprächtigen Batmanstreifen standen ihr doch besser. Insgesamt aber nicht besonders verwerflich. Die zahlreichen Nebencharaktere, so verschieden sie auch sein mögen, sind doch allesamt adäquat verkörpert.
"Kill Bill Vol.1" läuft nach der Prämisse "Stil über Substanz" und wird diesem Motto mit all seiner Gewalt und überzogenen Dialogen gerecht. Mit den Kehrseiten verkalkuliert sich Tarantino aber etwas, was im Endeffekt im Auge des Betrachters liegt.