Review

So, jetzt habe ich schliesslich auch durchgerungen, eine weitere Kritik zu "Kill Bill" zu schreiben, obwohl es hier unzählige weitere gibt.

Zuerst einmal:

Story: Rache. Punkt, fertig aus. Braucht ein Film mehr Story? Meiner Meinung nach NEIN. Hier geht es um Rache, direkt und ehrlich. Zusätzliche Handlungsfäden wären hier reinste Heuchelei.

Was ist "Kill Bill"?

Ein Film, der in zwei Teile geteilt wurde - einmal eher ein Eastern und einmal eher ein (Italo)-Western. Dadurch, dass beide Filme eindeutig zusammengehören, bezieht sich diese Kritik auf beide Teile - Kill Bill I und Kill Bill II.
Beides zusammen wirkt wie ein überdimensionierter Videoclip oder ein verfilmter Anime - und so soll es sein. Surreal, ästhetisch und brutal mit einem fantastischen Soundtrack.

Psychogramm von Killern

Wieder einmal widmet sich Tarantino seinem Lieblingsthema zu: die Psyche von kriminellen Menschen. Das wird sehr schnell deutlich, spätestens nach dem sehr schön gezeichnetem Anime-Zwischenspiel, in dem die Geschichte der O-Ren Ishii gezeigt wird: ein kleines Mädchen erlebt den brutalen Mord an ihren Eltern und will sich rächen - und wird selber zum Killer.
Diese Tatsache zieht sich wie ein roter Faden durch beide Teile des Films und ist Gegestand der Hauptstory bzw. der Botschaft des Films. Im ersten Kapitel (das lustigerweise "Zwei" heist) rächt sich die Hauptfigur Beatrice Kiddo (deren Name erst gegen Ende des zweiten Teils erwähnt wird) an Copperhead - Nummer Zwei in ihrer "Dead List Five" und lässt ein kleines, verstörtes Mädchen zurück. Sie wird auf das Mädchen warten, sagt sie, in der Gewissheit, dass sich dieses Mädchen auch an ihr rächen wird. Da der Hass und die Lust nach Rache aber stärker ist, nimmt sie das in Kauf - und muss in der Schlussszene des zweiten Teils die Konsequenzen tragen - der Kreis schliesst sich.

Überhaupt ist der Film ziemlich genial konzipiert - harte Kost, aber lustig. Tolle Charaktere, tolle Dialoge (auch wenn manche Leute behaupten, die Dialoge wären zu dünn gesät. Aber viele Leute reden viel, wenn der Tag lang ist.)
Was die Actionszene im Showdown des ersten Teils angeht ("Showdown im Haus der blauen Blätter") - fantastisch! Surreal, brutal und durch und durch ein Anime! Hier wird gezeigt, was Kiddo drauf hat, wobei sie ein wenig Sympathie verliert. Dies wird gleich zu beginn des zweiten Teils humorvoll parodiert.
Klar, das Rachemotiv ist ein uralter Bestandteil der Geschichten und erinnert auch ein wenig an die Superhelden-Comics. Auch das ist OK und passt thematisch sehr gut - wie der Enddialog zwischen Kiddo und Bill verdeutlicht. Und der Mord an Bill - fantastisch! Herrliche Spielerei mit dem Publikum!

Ich könnte jetzt ewig über diesen Film schwärmen, aber da das nicht der Sinn einer Kritik ist, komme ich zum Punkt:

eine geniale Studie der Psyche von Serienkillern, inszeniert als knallbuntes Real-Anime und Video-Clip!
Tarantino kramte neben "seiner" Uma Thurman, die während der Dreharbeiten zu Pulp Fiction auf die Idee zu diesem Film kam auch noch "Kung Fu"-Legende Caradine und Sonny Chiba aus - der Kenner triumphiert.

Fazit: Der Film ist sicherlich Geschmackssache - eben für Filmfreaks - aber meiner Meinung nach ein wunderschöner Beweis, dass man Killer menschlich darstellen kann.
Für mich als QT - Fan ist es klar: 10 Punkte!

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