Mit „Kill Bill Vol.1“ bringt Quentin Tarantino seine filmische Verneigung vor dem Easternkino auf die Leinwand.
Ähnlich wie in seinen anderen Filmen wird die Geschichte nicht wirklich chronologisch erzählt, auch wenn die erste Szene relativ früh in der Geschichte anzusiedeln ist. Die Braut (Uma Thurman) liegt halbtot auf dem Boden und ihr Boss Bill, von dem nur eine Hand zu sehen ist, sagt er, sein Tun sei kein Akt von Sadismus – ehe er ihr in den Kopf schießt, als sie den Satz: „Bill, das Baby ist deins.“ sagt. Die verschachtelte Erzählstruktur ist bei „Kill Bill Vol.1“ ähnlich wie in den anderen Tarantinos und funktioniert sehr gut, auch wenn sie nicht mehr als wirklich neu zu bezeichnen ist.
Das erste Kapitel ist dann schon weiter fort in der Handlung anzusiedeln. Die Braut besucht Vernita Green (Vivica A. Fox), eine der vier Killer, die Bill bei dem Mord an der Braut und ihrer kompletten Hochzeitsgesellschaft unterstützten. Diese führt nun ein bürgerliches Leben, aber ist immer noch fit für einen Kampf mit der Braut – in dessen recht witzigen Verlauf sie das Zeitliche segnet. Diese Szene ist eine ordentliche Symbiose aus Action und Comedy, denn das Duell wird immer von komischen Einschüben unterbrochen, z.B. wenn Vernitas Tochter nach Hause kommt oder die beiden zwischendurch einen Kaffee trinken.
Was dazwischen passierte: Die Braut überlebt den Kopfschuss Bills und wird in ein Krankenhaus gebracht, wo sie vier Jahre im Koma liegt. Doch nach einer Weile erwacht sie und will Rache an den fünf Verantwortlichen nehmen: O-Ren Ishii (Lucy Liu), Vernita Green (Vivica A. Fox), Budd (Michael Madsen), Elle Driver (Daryl Hannah) und Bill (David Carradine). O-Ren Ishii ist die erste auf der Todesliste...
„Kill Bill Vol.1“ ist eine groteske Komödie, die zugleich eine Hommage an das Easterngenre bildet; hinzukommen verschiedene Genreeinflüsse von Action bis Splatter. Dabei ist die Geschichte an sich nur ein simpler Rächerplot, den Quentin Tarantino mit seinen Spielereien aufpeppt. So erklingt Musik, die an verschiedene Variationen des Rächerfilms erinnert wie z.B. Italowestern oder Racheeastern. Dabei ist die Handlung nicht allzu fintenreich und erzählt an sich nur wie die Braut nacheinander Bills Organisation dahinmetzelt. So erreicht die Spannung kein allzu hohes Niveau, auch wenn der Film nie langweilig wird. Zum Ende gibt es noch eine überraschende Wendung, die Lust auf „Kill Bill Vol.2“ macht.
Die Gags zünden meist und sind aber wirklich makaberster Humor, neben dem auch die Gags von „Payback“ und Co. harmlos wirken. Größter Brüller ist meines Erachtens die Szene, wie sich der Pfleger mit dem Kunden am Krankenbett unterhält. Hinzu kommen Unmengen von Anspielungen auf Eastern, von denen ich nur einen winzigen Bruchteil bemerkt habe, da ich mir so gut wie nie Filme um fliegenden Guillotinen und brodelnde Reiskocher angesehen habe. Sonny Chiba habe ich jedoch einwandfrei als Easternstar mit Gastauftritt identifiziert, der eine sehr witzige Szene hat.
Stilistisch hat sich Tarantino einiges einfallen lassen bzw. hat es geschickt geklaut. So ist die Idee mit der Anime-Sequenz nicht nur eine Verneigung vor dem asiatischen Zeichentrick, sondern auch etwas neues, während vor allen in dem Kampfszenen mehrere optische Räubereien zu sehen sind. Dennoch hat der Film auch seine Schwächen: So besitzt der Plot zwischendurch einige Längen, wo sich Tarantino durchaus hätte kürzer fassen können. Zudem weidet sich der Film teilweise arg an seiner Brutalität, so dass sie teilweise selbstzweckhaft wird.
Die Actionszenen sind die wohl offensichtlichste Verbeugung vor dem Eastern: Die Braut trägt Bruce Lees Kampfanzug aus „Game of Death“, ihre Gegner sind nach Vorbilden wie „Green Hornet“ oder den „Battle Royal“ Schulmädchen gestaltet und ähnlich wie in den Eastern wird sich klassischen Wireworks bedient. Dies ist zwar nicht so spektakulär wie Kampfkunst ohne derartige Hilfsmittel, aber hier wird das Wirework auch für den Humor genutzt (z.B. Umas Breakdance-Sprünge beim Kampf). Der Gewaltgrad geht schon in den Splatterbereich und ist so arg übertrieben, dass es sehr grotesk und komisch wirkt.
Uma Thurman bietet als rachsüchtige Killerbraut eine gelungen witzige Performance, aber auch die Nebendarsteller müssen sich nicht verstecken. Diese spielen allesamt sehr ironisch und witzig ihre Rollen, wobei mich vor allem Michael Madsens Kurzauftritt am Ende auf seine Rolle in „Kill Bill Vol.2“ gespannt macht.
Alles in allem ist „Kill Bill Vol.1“ eine kultig-witzige Verbeugung vor dem Genre des Eastern. Teilweise überschätzt, aber dennoch sehr unterhaltsam, auch wenn die Gewalt und der böse Humor nichts für sanfte Gemüter sind.