Lange hat's gedauert, aber jetzt ist der neue Film von Kultregisseur Quentin Tarantino endlich da. Und was für einen Film er da abgeliefert hat. Kill Bill ist ein infernalischer Bildersturm, der seinesgleichen sucht. Tarantino hat sich mit diesem Meisterwerk ein neues Denkmal gesetzt und erneut bewiesen, dass er zu den ganz großen Jungs in Hollywood gehört.
Die Story wurde ja nun schon etliche Male erzählt und deshalb werde ich sie nicht noch mal aufwärmen, zumal sie 'eh nicht unbedingt der Rede wert ist. Fakt ist nur, dass in einem Film selten so kompromisslose Rache geübt wurde. Und dass dabei nicht Schwarzenegger oder ein anderer Actionmacho sondern eine bezaubernde Schönheit der Todesengel ist, macht den Film umso besser.
Es war bereits von vornherein klar, dass Kill Bill einen sehr deftigen Grad an Gewalt beinhalten würde und sowohl Regisseur als auch Schauspieler trugen mit diversen Aussagen dazu bei, dass wirklich jedem klar wurde, dass es sich hier nicht um einen harmlosen Film für die Kindervorstellung handelt. Letzten Endes konnten einen aber alle Ankündigungen nicht auf das vorbereiten, was in 120 Minuten über die Leinwand flimmert. Gegen Tarantinos neuesten Streich wirken Filme wie Starship Troopers geradezu harmlos.
Das führt natürlich zwangsläufig zu der Frage, was an Kill Bill so besonderes sein soll. Ein weiterer Brutalo-Streifen, der eine dünne Handlung und miese Charaktere durch krasse Blutbäder kaschieren will. Schön für die ganzen blutgeilen Typen, die sich daran ergötzen, wenn Menschen heulend ihre abgetrennten Gliedmaßen in den Händen halten, Köpfe abgeschlagen werden und Mütter vor den Augen ihrer Töchter das Lebenslicht ausgeblasen kriegen (mit dem netten Hinweis, dass Mama das verdient hätte). Und genau an diesem Punkt kommt der wesentlichste Charakter des Filmes zum Tragen: Es ist ein Quentin Tarantino-Film. Und das bedeutet, dass diese ganze Brutalität stets mit einem Augenzwinkern und einer unglaublichen Portion Stil rübergebracht wird. Ich glaube, ich liege nicht komplett falsch, wenn ich sage, dass es nur eine Handvoll von Regisseuren auf der Welt gibt, die in der Lage wären, einen Film wie Kill Bill auf die Reihe zu kriegen. Bei diesem Film stimmt einfach alles. Die Musikauswahl, die Hintergründe, die farbliche Abstimmung der Szenen, der Schnitt und natürlich die ironische Zuspitzung der Splatterszenen. Zwei Meter hohe Blutfontänen nehmen jeder noch so schlimmen Szene den Ernst und machen deutlich, dass es sich nur um einen Film, um Unterhaltung handelt.
Des Weiteren hat Tarantino trotz aller Exzesse immer das richtige Maß gefunden. Das beste Beispiel ist hier der Showdown in der Bar. Die Idee, diese Szene in schwarz-weiß darzustellen, ist einfach nur genial. Der hier auftretende Blutgehalt hätte in Farbe einfach nicht gepasst. Der Film wäre sofort ins Braveheart-Genre abgedriftet. Und genau zu dem Zeitpunkt, in dem auch die schwarzen Blutbäche (was red' ich da - FLÜSSE) einem gewissen Abnutzungseffekt unterliegen, schaltet er auf einen blauen Hintergrund um, während die Darsteller nur als Schatten zu erkennen sind. Am Ende löst Tarantino das ganze wüste Gemetzel wieder mit einer lockeren Einlage und ein paar witzig-makabren Sprüchen auf und nimmt ihm so jeglichen Anflug von Ernst.
Der finale Zweikampf gestaltet sich dann erstaunlich blutleer. Und auch das ist perfekt, denn um das Massaker in der Kneipe zu toppen, hätte O-Ren in klitzekleine Würfelchen zerhackt werden müssen. Stattdessen entschied sich Tarantino für ein extrem atmosphärisches Setting. Eleganz statt wüster Schlacht. Ruhe statt Chaos.
Ich könnte jetzt sicher noch 'ne Menge mehr schreiben. Ich könnte die Zeichentrickszene erwähnen, die tarantinotypisch verschachtelte Erzählstruktur, die genialen Charaktere...ich könnte noch etliche Seiten füllen.
Aber das werde ich nicht machen. Ich sage als Fazit lediglich, dass Kill Bill für mich der Film des Jahres ist. Egal welche Specialeffectsorgie die Wachowskis mit Revolutions auf den Markt werfen werden, egal, wie viele Millionen von Orks auf Gondor einstürmen werden - Kill Bill is the King und ich hasse Tarantino dafür, dass Volume 2 erst im Februar in die Kinos kommt (hoffentlich gibt's ein Doublefeature). Schade, dass ich oben maximal eine 10/10 geben kann. Hier im Text vergebe ich 15/10 für einen irren Geniestreich, den man einfach gesehen haben muss.