Review

Naja.

Über zehn Jahre später noch meinen Senf. Der Hype damals, der Hype heute, er nervt. Tarantino wirkt auf mich relativ unsympathisch, seine Filme sind allenthalben mittelprächtig bis gut - und viele seiner Fans gehen mir gehörig auf den Sack. Diese Klientel, die glaubt, das hier sei alternativer Film und Tarantino sei der Regisseur für das andere Kino. - Und haben meist nicht den geringsten Schimmer davon, was in den Jahren vor 1990 in den Kinos gelaufen ist, feiern aber die zwanghaft ironischen Wiederaufbereitungen alter Genre-Filme ihres heiligen Meisters Tarantino ab, als gäb´s kein Morgen. Das ewige, tranige Gequatsche geht mir in Ts Filmen besonders gegen den Strich. Tiefsinnig wird es fast nie, es ist meist ein irgendwie bemüht lässiges, "hippes" (ja, das Wort ist schon seit zehn Jahren out) und ziemlich vorhersehbares Gesülze um Belanglosigkeiten. Weiter im Text: Dieser gelbe Lederdress (ja, ich weiß, Bruce Lee, ich verstehe, habe ich gleich begriffen) steht Uma echt gut, aber ihre Füße (man, muss T einer abgegangen sein) hätten sie lieber in Socken stecken sollen. Die Choreographie des großen Kampfes ist eher mittelmäßig, wobei ich einräumen muss, dass er 2003 sicherlich noch etwas mehr Wirkung hatte. Wirklich hart ist der Film fast nirgends, von dem Anime abgesehen und einer Szene im "Realfilm": Ich stehe durchaus auch auf Tabubrecher-Kram, aber das Töten einer Mutter vor ihrem Kind finde ich doof (ok, bei "Conan" stört mich das weniger, vielleicht weil er später alle zerschmettert, die daran beteiligt waren). Dass Uma nach vier Jahren Koma in wenigen Stunden (eigentlich ja Minuten) wieder in die Gänge kommt (normalerweise sind da die Sehnen verkürzt, es geht erst mal nichts mehr), ist wirklich ein Klopper, eine nie dagewesene Schnellheilung, selbst Übermensch Seagal hatte daran in "Hard to kill" mehr zu knapsen. Aber der Film meint das ja alles nicht so, alles ist möglich, auch das eine Maid allein unzählige Angreifer zersäbelt. Kann man machen, ist aber dann eher nicht mein Film (naja, solche Sachen  wie "Commando", wo auch ein Mann eine Legion Söldner malade macht, finde ich doch gut, das räume ich ein). Visuell ist fraglos vieles wieder gelungen, die Musik ist clever eingesetzt, manchmal auch angenehm gegen den Strich, aber sie gibt mir nichts. Der Film ist das allerbeste Beispiel für style over substance, das Rezept mindestens jedes dritten US-Filmes. Trotz meines ganzen Gemeckers, ich lasse die Kirche im Dorf bzw., für Atheisten, die Kirsche auf der Torte, eine Bewertung sechs von zehn, aber man kann sich in Sachen T auch mal wieder einkriegen.
Dass ich hier zweimal den guten Schwarzenegger eingebracht habe, ist reiner Zufall.

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