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Nein, Leute, es ist kein zweites „Pulp Fiction“, und wer das ernsthaft erwartet hat, dem gehört es nicht anders, als im Nachhinein enttäuscht dazuhocken und sich über das verschwendete Eintrittsgeld zu ärgern, denn filmisch liegen zwischen Tarantinos größtem Erfolg und „Kill Bill: Vol.1“ Welten, sodass man höchstens Äpfel mit Birnen vergleichen kann. Trotzdem müssen selbst diejenigen, denen der Film nicht gefallen hat, zugeben, dass unser Quentin hier erneut für ein cineastisches Novum gesorgt hat, obwohl er pausenlos munter aus der Filmgeschichte zitiert, besonders die Martial-Arts-Filme der 70er haben es ihm angetan, sodass sein Film zwar ständig irgendwoher bekanntes aufbietet, aber das in einer noch nie gesehenen Kombination.

Es ist mit Sicherheit sein bisher persönlichster Film, denn seine Hommage an die Eastern ist bereits beim Vorspann unübersehbar und zieht sich schließlich durch den gesamten Film, bei den Schwertkämpfen angefangen, bis hin zu Uma Thurmans Anzug beim Finale. Ansonsten finden Italo-Western-Elemente genauso Einzug wie eine ca. fünfminütige Anime-Sequenz.
Stilistisch ist dieser obskure Mix völliges Neuland und dürfte jeden überraschen, der sich darauf einlässt und sich nicht ständig Fragen über das Nichtvorhandensein von lakonischem Dialogwitz stellt.

Der zugegeben sehr dünne Rache-Plot wird durch die nichtchronologische Erzählfolge etwas aufgepeppt und bleibt dank der vielen optischen und stilistischen Spielereien immer spannend, trotz eines inhaltlichen Lochs bei Schwertmeister Hattori Hanzo (riesig: Legende Sonny Chiba), was aber natürlich wieder eine Vorbeugung vor dem Kampfkunstfilm an sich ist.

Die Sprüche werden zwar niemals Kultstatus erreichen, aber dafür haben so einige ultraharte Sequenzen genug Potential. Bereits in den ersten Szenen ist der Gewaltgrad beachtlich, sogar am noch recht konventionell gehaltenen Beginn zeigt sich Tarantinos Sinn für Humor der makabersten Sorte, als die Braut der Tochter einer eben getöteten Verräterin zusichert, ihre Mutter hätte es verdient. Schwärzer als das dunkelste Loch auf Erden ist die Szene im Krankenhaus, meiner Meinung nach diejenige, die am meisten an die Nieren geht, obwohl da mal keine Gliedmaßen durch die Gegend fliegen. Die Gewaltexzesse im Showdown wirken da schon beinahe surreal, auch dank der farblosen Inszenierung.

Enttäuschend dürfte für viele der etwas kurze, aber optisch beeindruckende finale Kampf zwischen Liu und Thurman ausfallen, wobei auch das wieder eine Hommage an „Lady Snowblood“ darstellt, den ich übrigens, wie so viele andere hier zitierte Eastern nicht gesehen habe, was dem Spaß jedoch keinerlei Abbruch tat.

Meiner Meinung nach gelang Tarantino mit „Kill Bill“ ein weiterer Geniestreich. Die Zutaten sind zwar allesamt (natürlich absichtlich) geklaut, aber in so eine Zusammenstellung muss man sie erst mal bringen, ohne dabei Verehrer der zitierten Werke zu verärgern und gleichzeitig dem Otto-Normal-Zuschauer einen Riesenspaß zu bieten. Dankbar muss man für die Zweiteilung des Films sein, denn „Kill Bill“ hätte höchstens fünf Minuten Kürzungen verkraftet.

Ein weiterer Riesenschritt für Tarantino in Richtung Regielegende – nicht durch Innovativität, sondern durch geniales Mixen von Zitaten und Stilrichtungen. So begeistert hat mich schon lange kein Film mehr auf der großen Leinwand, definitiv härtestes Unterhaltungskino vom Allerfeinsten!

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