Kill Bill Vol.1 präsentiert sich von der ersten Minute an als schneller, sarkastischer und moderner Actionfilm wie es ihn so noch nicht gab.
Die Story hält sich, was nicht weiter stört, bewusst im Hintergrund:
[Spoiler]
Die namenlose Rächerin, genannt "Die Braut", gespielt von Uma 'Mia Wallace' Thurman, sinnt nach Rache für die Ermordung ihrer Geliebten, inkl. ihres ungeborenen Kindes, sowie den versuchten Mord an ihr selbst, durch 4 von Gangster Bill engagierte Killer.
Was macht eine im Nah-, sowie Schwertkampf, großartig geschulte Frau, nachdem sie 4 Jahre später aus dem Koma erwacht?! Sie schreibt die fünf Misanthropen auf eine ToDo-Liste, um ihnen nacheinander klarzumachen, dass sie doch noch immer recht ungehalten über die damalige Aktion denkt.
Anschließend reist sie nach Japan, besorgt sich das beste Schwert, das besorgbar ist und fängt oben auf der Liste an!
[Spoiler Ende]
Soviel zur Geschichte. Viel sekundärer kann eine Story kaum sein. Was aber bei diesem Film zählt sind die bewusst stylische und glücklicherweise auch eigene Präsentation und die vielen kurzweiligen Kämpfe.
Doch was hebt diesen Film nun von anderen Hollywoodmainstreamactionfilmen ab? Also wo finde ich den Tarantino, in Tarantinos neuem Film? Glücklicherweise kann man diese Frage zur Zufriedenstellung des Zuschauers beantworten.
Nein, die typische Dialoglastigkeit, seiner anderen Filme, wird nicht wieder aufgegriffen. Keine minutenlangen Gespräche über irgendwelche Banalitäten. Doch was den Zuschauer erwartet, ist neben der bereits erwähnten hippen Präsentation, eine für Hollywood untypische, knallharte Welle an Tabubrüchen. Was für die einen amüsanter und ungewohnter Zynismus ist, kann andere schwer schockieren.
Denn der Inhalt ist alles andere als leicht verdauliche Kost. Dessen Härtgrad entspricht der der sehr expliziten Gewaltdarstellung in diesem Film. Es gibt wohl kaum Filme die so blutig und brutal sind und gleichzeitig "nur" eine 18er Freigabe erhalten.
Es wird hier ganz bewusst Abstand von einer realistischen Darstellung genommen. Um dies zu untermauern hat Tarantino einen klassisch brutalen Anime in den Film eingebaut, der Anfang einer Blutwelle ist, die sich in ihrer
Darstellungsweise deutlich auf diesen Zeichntrickstil bezieht.
Musikalisch findet man zwar nicht ganz die Standartarantinokost wieder, aber Fans kommen trotzdem auf ihre Kosten.
Schauspielerisch findet man zwar keine auszeichnungswürdige Leistungen wieder, aber Thurmans Gefühlsausbrüche und Lius Abgebrühtheit kommen durchaus überzeugend rüber.
Letztendlich muss ich sagen, dass mir die Mischung aus moderner Actionkomödie, monumentalem Rachefeldzug und zynischer Blutorgie aufgrund ihrer ungewöhnlichen Erzählweise sehr gut gefallen hat, die allerdings einige unnötige Längen aufweist.
(8,5 Punkte)