Wer glaubte, der kompromisslose Rachefilm sei zusammen mit Charles Bronson ausgestorben, darf sich in Quentin Tarantinos stilistisch perfektem Meisterwerk eines Besseren belehren lassen.
Es sollte der schönste Tag ihres Lebens werden. Doch ausgerechnet vor dem Traualtar wurde "Die Braut“ (Uma Thurman) von ihrem ehemaligen Liebhaber Bill (David Carradine) und dessen Gangstersyndikat niedergestreckt. Mit einer Kugel im Kopf lag sie daraufhin fünf Jahre lang im Koma. Jetzt ist sie erwacht und kennt nur noch einen Gedanken: Vergeltung! Auf ihrer persönlichen Abschussliste stehen die Namen ihrer ehemaligen Weggefährten. Jeden davon will sie sich einzeln vorknöpfen. Bis nur noch Bill übrig bleibt...
Was für ein Film! Wie ein brillanter Dirigent führt uns Quentin Tarantino in seinem vierten Kinofilm virtuos durch ein realgefilmtes Martial-Arts-Manga. Berauschend sind die Bilder. Gigantisch sein Spiel mit Farben und Formen; Licht und Schatten. Die Hintergrundmusik, mal Country, mal asiatisch, mal Latino, ist perfekt auf die Inszenierung abgestimmt. Stilistisch stimmt einfach alles. Die Optik, die Schnitte, die Kameraführung, das Tempo. Noch Stunden später ist man von dem Dargebotenen wie von Sinnen. Tarantino hat sich hiermit selbst ein vorzeitiges Denkmal gesetzt und zugleich eine Hommage an seine bisherigen Werke konstruiert. Denn viele Elemente kommen uns bekannt vor. Die Geschichte wird wie in Pulp Fiction in einzelne Kapitel unterteilt und unchronologisch erzählt. Die Ausstattung erinnert an Tarantinos Lieblingsjahrzehnt, die 70er Jahre. Zudem dominiert, wie in "Reservoir Dogs“, die Gewalt. Und damit wären wir an genau dem Punkt, an dem einige Zuschauer dem anfänglichen Lobgesang vielleicht nur noch wenig abgewinnen können. Denn nahezu im Sekundentakt werden Köpfe abgehakt und Blutfontänen gen Kamera gespritzt. Doch im Gegensatz zu Tarantinos bisherigen Filmen ist die Gewalt derart abstrakt und überspitzt dargestellt, dass sie einfach nicht ernst genommen werden kann. Und das ist auch offensichtlich so gewollt. Im Directors Cut kam die optische Orgie auf eine nahezu vierstündige Spielzeit. Die Produzenten sahen sich daher veranlasst, den Film in zwei Teile zu splitten. Dies ist Volume 1. Die Wartezeit auf den zweiten Teil wird einem schier unendlich vorkommen. Wahrlich ein Meisterwerk!