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Frauen die bei Horrorfilmen Regie führen sind selten; es passt einfach nicht, weil Horrorfilme eher eine Männerdomäne sind. Aber Frauen und Puppen - das passt. Da wiederum Männer und Puppen nicht zusammen passen, Männer aber auch Puppenhorrorfilme drehen, ist der in den zwei Zeilen ansatzweise versucht aufgebaute filmische geschlechterspezifische Trennungsversuch so gut wie passe. Umso erfreulicher ist, das bei diesem Streifen endlich mal eine Frau sich der Thematik um mordende Puppen annahm (Kindheitstrauma?) und mit diesem atmosphärischen Stück diesem Subgenre einen stellenweise besseren Beitrag beschert als wie es ihre männlichen Kollegen versucht haben. Vor allem an der Horrorschraube hat Frau Lease gedreht und somit ist das Angst einflößende Potential das von dieser Puppe ausgeht um ein vielfaches höher als wie bei den - im Vergleich niedlicheren - Figuren des André Toulon.

Die mörderische Puppe ist wie ihr Pedant mit Penis, nennen wir ihn der Einfachheit halber mal Chucky, vormals ein stinknormales Spielzeug in Massenproduktion. Doch ihre Heimat ist nicht irgendein Industriegebiet in der Stadt, sie kommt aus dem südlichen Teil von Amerika; Nähe Mexiko um genau zu sein. Die kleine Fabrik liegt direkt neben einer opulenten Villa, in der alsbald eine mehrköpfige Familie einzieht, deren kleine Tochter sich gleich in eine der Puppen verliebt. Ihren Bruder interessieren mehr die Höhlen der wegen eines Unfall gesperrten Ausgrabungsstätte, in der Mayaschätze vermutet wurden. Bei den Ausgrabungen ereignete sich ein Unglück, ein dicker Felsen zermalmte einen Mann. Was hinter dem Felsen sich verbarg bekam er nicht mehr mit. In den ersten 5 Minuten des Films sehen wir jedoch wie der innewohnende böse Geist befreit wurde und sich unter diabolischem Gelächter in einen neuen Körper wand…

Wie man lesen kann ist die Geschichte der Chucky Reihe relativ ähnlich, auch hier passiert das unvermeidbare: Mädchen nimmt Puppe an sich, der innewohnende böse Geist bemächtigt sich immer mehr des Mädchens und Widersacher werden aus dem Weg geräumt. Ein simples, aber funktionierendes Prinzip, das hier bis auf später eingehende Nebensächlichkeiten zwar mit wenig Innovationen aufwarten kann, dennoch aber gediegene Unterhaltung für Freunde der so genannten Puppenslasher darstellt. Dies liegt vor allem an der sauberen, aber nicht unbedingt glatten, Inszenierung, die in erster Linie durch eine stärkere Betonung auf die Düsternis des Plots eingeht. So ist die Wahl des Ortes, einer eher verlassenen, staubigen Einöde genau der richtige Ort um in nächtlichen Bildern spannungsvolle Szenarien zu entwerfen.

Was vor allem auffällt, ist die Vermischung aus christlichen Omen Motiven, die sich durch eine starke Überbetonung auf religiöse Symbole abzeichnet und mit den typischen Abfolgen eines Puppenhorrorfilmes gepaart wird. Diese nicht uninteressante Mischung intensiviert die dämonische Präsenz der bisweilen mit grausamen, wirklich erschreckenden Gesichtszügen agierenden Puppe; vor allem die nach und nach immer mehr “beseelte” Kinderdarstellerin gewinnt so an darstellerischer Kraft. So ist diese Hauptdarstellerin trotz ihres jungen Alters sehr versiert und wird nur noch von ihrer Mutter, gespielt von Denise Crosby (Friedhof der Kuscheltiere), “getoppt”. Ihre mütterliche Skepsis und die nachzukommend wollende Fürsorgepflicht kommt sehr gut rüber, im Zusammenspiel mit ihrer sich immer mehr aus dem Familiengeflecht entfernenden Filmtochter wirklich sehenswert. Auch die restlichen Darsteller der Familie sind sympathisch dargestellt und somit ist das obligatorische Finale Puppe gegen Familie ein beklemmender Machtkampf.

Doch bis dahin zieht es sich, ist der Film wie gesagt kein reinrassiger Puppenhorror und so vermischen sich die Handlungsstränge, was quasi eine “Verwässerung” nach sich zieht. So sind die Auftritte der Puppe atmosphärisch recht gelungen, halten sich in ihrer Anzahl doch in Grenzen - folglich ist auch die Sterbensquote moderat ausgefallen, wirklich hart fallen die Mordsequenzen auch nicht aus, sind aber schick fotografiert. Die Puppe(n) ist/sind dabei anfangs nicht voll animiert, schemenhaft der Schatten zu erkennen, Beine huschen über den Boden. Das macht aber nichts - lieber gut getrickst und geschnitten als schlecht drauf gehalten. Im Verlauf des Films, insbesondere im Finale offenbaren sich einem die Puppen aber immer mehr und auch diese “Ganzkörperaufnahmen” in Bewegung gefallen.

Spannung tritt dabei während ihren Auftritten auf, aber auch in den Szenen in denen sie sich des jungen Mädchens bemächtigen will und von ihrer Mutter immer wieder gestört wird, schafft Regisseurin Maria Lease es einen wohligen Schauder zu erzeugen. Doch leider ist das Problem des Films das es eben nur Sequenzen sind, die diese Atmosphäre bieten. Im überwiegenden Teil ist die Verquickung der beiden Genres Dämonen- und Puppenhorror für Aufrechterhaltung von Spannung und Vorantreiben der Story doch eher hinderlich, so das es auch viel Leerlauf gibt. Man merkt zwar nicht direkt das eine Frau Regie führte, doch ist der Grundtenor außer der gesteigerten Boshaftigkeit eher zahm und sich dem Massenpublikum anbiedernd.

Sind die bekannten Reihen wie Chucky, Demonic Toys oder auch Puppet Master bisweilen weniger bemüht ihrer Handlung Ernsthaftigkeit zu geben, können doch in Punkto Blutzoll und von dem was man erwartet - viele Auftritte der mörderischen Puppen - mehr überzeugen. Die hier eher massentauglichere Geschichte ist technisch und was die Darsteller angeht klar kleineren Produktionen überlegen, doch mir persönlich gefallen die tricktechnisch einfacheren, aber blutigeren Billigproduktionen besser. Zusammengefasst ist Dolly Dearest zwar ein routinierter Genrebeitrag, dem aber irgendwie der “Biss” fehlt. Für Freunde dieser Art von Unterhaltung zwar kein Muss, aber eine nette Abwechselung.

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