Review

Stevo (Matthew Lillard) ist 18, er ist Punk, er ist Rebell, und er wohnt in Salt Lake City / Utah. Die Stadt der Mormonen, in der das Bier nur die Hälfte an Alkohol hat, in der die Rednecks das Sagen haben und Jungs
wie Stevo und sein Freund Bob (Michael A. Goorjian) nur asozialer Abschaum sind. Genau in dieser Stadt will Stevo seinen festen Glauben an die Anarchie als die wahre und einzige Gesellschaftsform verbreiten.
Er führt den Zuschauer durch sein Leben, dass geprägt ist von Partys, Alkohol, Drogen und jeder Menge
Schlägereien. Er erzählt uns von seinen durchgeknallten Freunden, seiner Verachtung gegenüber Pseudo-Punks
und dem ehrgeizigen Vorhaben seines Vaters, ihn nach Havard zu schicken.
Nach dem Abspann des Films ist man sich als Zuschauer nicht ganz sicher, was Regisseur James Merendino für eine Aussage treffen wollte, welcher Prämisse "Punk" folgt. In der ersten Hälfte will der Film seine Charaktere möglichst witzig, skurril und abgedreht einführen. Da es keine Handlung in dem Sinne eines Story-Plots gibt, besteht der Film hier größtenteils aus kurzen Episoden, die uns einen Einblick in das Leben der Salt-Lake Punks geben. Stevo sinniert über Rednecks, wer den Punk-Rock erfunden hat, er geht auf Partys, besäuft sich und ist meistens auf Acid.
Hier war ich kurz davor den Film abzuschalten. Das ganze realitätsfremde Verhalten der Typen, das Overacting von Matthew Lillard (mal wieder), die vielen Klischees die bemüht werden - der Film wirkt selbst pseudohaft. Der Versuch eines Erwachsenen, eine Bewegung zu verfilmen, die er selbst nicht im Ansatz versteht.
In Hälfte zwei wandelt sich das Bild jedoch. Nach der Begegnung mit einem alten Freund, der mittlerweile als runtergekommener Ex-Knacki die Leute auf der Straße um Kleingeld anbettelt, beginnt Stevo sein ganzes Tun zu hinterfragen. Er ist sich nicht mehr sicher, ob sein Lebensweg ihn nicht früher oder später auch zum Bettler werden lässt, ob es nicht noch mehr Lebenswertes als Chaos gibt.
Der Genrewechsel von der seichten Komödie zum Drama rettet "Punk". Man kann aus eigener Erfahrung die Verwirrtheit der Hauptfigur verstehen und hat Mitgefühl mit Stevo, der schmerzlich erfahren muss, dass sein Verhalten in der richtigen Welt keinen Wert hat. Er wird genausowenig wie sein Vater etwas am System, an der Gesellschaft ändern können. Er wird nur sein eigenes Leben verschenken.
Trotz einer guten zweiten Hälfte ist der Film weit davon entfernt einen authentischen Einblick in die Punk-Szene zu vermitteln. Teilweise wirkt das Ganze zu pseudohaft cool, zu aufgesetzt wild, einfach realitätsfremd.
Dass man sich dennoch gut unterhalten fühlt, während der circa eineinhalb Stunden, liegt wohl daran, dass man sich in irgendeiner Weise mit der jugendlichen Rebellion gegen alles, was die eigene Freiheit beengt, identifiziert.
Trotz der im Endeffekt ziemlich spießigen Botschaft von "Punk" gebe ich 6/10 Punkten.
Es wäre durchaus mehr drin gewesen.

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