Regisseur Matthew Vaughn und seine Frau Claudia (Schiffer) Vaughn haben sich entschieden, ihrer Katze „Chip“ (Rollenname: „Alfie“) eine Hauptrolle im Marketing für diesen Film zu überlassen. Das ist eigentlich eine charmante Idee und weckt hohe Erwartungen an den schottischen Faltohrkater. Doch Chip/Alfie bleibt die meiste Zeit des Films computergeneriert im katzenunwürdigen Rucksack mit Plexiglasguckloch stecken und hat lediglich zwei nennenswerte Filmauftritte – ebenfalls animiert, versteht sich.
So geht der Film dann auch mit dem Rest seines Potenzials um: Sam Rockwell, Bryan Cranston, Catherine O‘Hara, Samuel L. Jackson, Rob Delaney – was für ein im Grunde spielfreudiger Cast, der hier verheizt wird!
Dass Vaughn seine Katze vorschiebt, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass der Film ansonsten nichts zu bieten hat: er vereint alle Elemente, die schon in den KINGSMEN Filmen nicht funktioniert haben, wie z.B. der unangenehm geschmacklose „Crashkurs“ zum korrekten Kopfzerstampfen (!) sowie einige, die dort mehr Sinn gemacht hätten, wie z. B. die ebenso bunten wie brutalen Ballerorgien zum Finale.
Diese fallen im Übrigen – wie auch der gesamte Rest – durch äußerst schlecht gemachte Computereffekte auf. Ganz schön paradox bei einem von einem Computerhersteller produzierten Film.
Nicht nur bei der Action will kein Funke der Begeisterung überspringen, auch die Chemie des Hauptdarstellerpärchens Rockwell & Howard ist schlichtweg nicht existent. Da denkt man sogar schon wehmütig an Sandra Bullock und Channing Tatum in THE LOST CITY zurück.
Dass Bryce Dallas Howard mittlerweile nicht mehr die Idealmaße für eine Hollywood-Hauptrolle vorweisen kann, ist dem Film im Prinzip hoch anzurechnen. Als leicht verpeilte Schriftstellerin macht sie ihre Sache auch passabel, wobei ihr permanent erstaunter Blick vielleicht in einem Kinderfilm passender gewesen wäre. Die Agentin wider Willen, als die sie in der zweiten Hälfte zahlreiche übermenschliche Stunts vollführt, nimmt man ihr jedoch keine Sekunde lang ab. Auch wenn sie sich im entscheidenden Moment ihrer Stöckelschuhe entledigt – schöne Grüße an JURASSIC WORLD.