Auf „Kingsman“ hängen geblieben
Was waren das noch für Zeiten als Matthew Vaughn mit Gangsterflicks wie „Layer Cake“ oder ungewöhnlich rabiaten Superheldenfilmen wie „Kick-Ass“ oder sogar augenzwinkernden Agentenparodien wie dem ersten „Kingsman“ als sichere Bank für frech-famose Unterhaltung galt. Mittlerweile ist er mit weitaus mehr Vorsicht zu genießen und scheint seine ganz große Inspiration und Motivation verloren zu haben - und „Argylle“ ist dabei deutlich der bisherige Tiefpunkt. Eine 200-Mio.-Apple-Produktion, die so unterhaltsam ist wie Fersensporn… Erzählt wird von einer angesagten, aber einsamen Autorin von weltweit erfolgreichen Spionage-Romanen. Doch als eine ganz reale Geheimorganisation sich plötzlich in ihren Werken wiedererkennt, beginnen Realität und Fiktion für sie gefährlich zu verschmelzen…
Vaughns tiefer Fall
Mit Matthew Vaughn ist’s ein bisschen wie mit Taika Waititi. Mit richtig lässigen Indies begonnen und überzeugt, dann auch mit größeren Hollywoodproduktionen jede Hütte gerockt - und dann seinen Schtick irgendwie schneller als gedacht überzogen und nun… nervig. Das ist die Kurzfassung. Ich liebe den ersten „Kingsman“, aber schon in den Fortsetzungen nutzte sich die Formel in Windeseile ab. Und nun macht er ganz Ähnliches nochmal - nur in mieser und aufgewärmter. „Argylle“ ist ein Apple-Ärgernis und spätestens jetzt der Beweis, dass der angebissene Apfel in Sachen Filmproduktionen alles andere als unfehlbar ist. „Argylle“ hat losgelöst von den Bildern einen sehr coolen Soundtrack. Und Sam Rockwell ist meistens lustig. Das gebe ich ihm. Aber ansonsten ist das schon eine ziemliche Grütze. Nervtötend, überdreht, kopiert. Dagegen sehen ähnlich augenzwinkernde Werke wie „Knight & Day“ meisterhaft aus. Vaughns Style und Art waren immer ein Rasiermesserritt - „Argylle“ schneidet sich mit ihr beinahe mehrfach die Pulsadern auf! Das ist nicht mehr comichaft, sondern doof. Das ist nicht mehr kreativ, sondern gezwungen. Das ist nicht mehr cool, sondern gewollt. Das ist nicht mehr brutal, sondern kaum ernst zu nehmen. Das ist nicht mehr kurzweilig, sondern langweilig trotz allem Tempo und aller Wendungen. Das ist klischeehaft, immer mit den gleichen Gesichtern und das sollte nicht der Anspruch sein. „Argylle“ ist eine kinounreife Kakophonie. Meisterhaft nur darin, die falschen Töne am Fließband zu treffen. Parodiepushover.
Die Kopie seiner selbst
Fazit: nie ernst zu nehmen, nie lustig, nie beeindruckend und nie gut. „Argylle“ unterbietet selbst die mieseren Momente der „Kingsman“-Trilogie noch spielend und zuverlässig über die komplette Laufzeit. Repetition & Reinfall. Vaughn wiederholt sich entweder immer wieder (in schlechter) oder er kann's wirklich nicht mehr… Ein teures Trauerspiel. Obwohl ich ihn noch nicht dauerhaft aufgeben will. An dem Kopfschütteln über „Argylle“ ändert das aber nichts. Aaahr… Gülle!