Review

Einer gegen alle, alle gegen einen

Octa rennt - in 60 Minuten muss der Käfigkämpfer quer durch die Hauptstadt zum Geburtstag seiner kleinen Tochter. Auf seinen Fersen die Schläger der Wettmafia und irgendwie auch ein wenig sein verkacktes Leben, seine gewalttätige Vergangenheit…

Sakraya gibt auf die Eier

In diesem angesagten Netflix Exclusive aus Deutschland beweist Emilio Sakraya einmal mehr, nach seinem starken Auftritt als Xatar zuvor, das mit ihm, seinem Body und seinen Fighting Skills zu rechnen ist. Der junge, deutsche JCVD? So weit würde ich noch nicht gehen. Aber es läuft in diese Richtung und er sollte das als Lob verstehen. Viele wie ihn gibt’s nicht mehr. Egal in welchem Land. Wie er sich in „60 Minuten“ durch's dicke B prügelt kann sich definitiv sehen lassen. Unerfüllbar hohe Erwartungen sollte man eventuell nicht haben, solche Vergleiche wie ich sie ziehe und wie sie leicht zu ziehen sind, befeuern vielleicht einige Enttäuschungen. Zu niedrige Erwartungen, die der deutsche Film ja auch öfters fördert, sollte man aber ebenso wenig haben, denn „60 Minuten“ ballert schon schön rein. Sakraya hat Charisma, Power und fliegende Fäuste. Das Berlin-Flair ist nicht zu leugnen, was der Produktion genug Dreck, Textur, Weltstadtvibes und eine passend raue Seite verleiht. Vielseitige Schauplätze, von der S-Bahn bis zur Disco. Durchaus Härte (obwohl da noch viel mehr gegangen wäre). Story und Dialoge sind so platt und blöd, wie man sie sonst nur in den Videotheken der 80s gefunden hat. Blöde Gags oder brechende Augenzwinkerei fehlen positiv. Der Soundtrack treibt. Der Schnitt noch mehr. Und Langeweile suchen Actionfans hier ganz sicher vergebens. Geht ja auch nichtmal so lang wie ein Fußballspiel. Deswegen gibt’s ein dickes GUT. Selbst wenn da doch noch eine unübersehbare Lücke zu allen Vorbildern von damals bis heute klafft und sicher auch genug Kohle gefehlt hat um fetter aufzuziehen. Trotzdem eine ausgestorbene Spezies und ein mutiger Adrenalinkick.

Fazit: kein One Shot, kein Real Time, kein deutscher John Wick - und dennoch verdammt kurzweilige und kräftige Klopperei durch Berlin. Sakraya ist einer der fähigeren deutschen Jungstars! Vielleicht mit etwas Sympathie- und Heimatbonus bei mir. Da bin ich aber sicher nicht der Einzige. 

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