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Fanfilm mit Hype

Produzent, Ideengeber und Schreiberling Sean David ist schon seit Monaten grundsympathisch, ehrlich und leidenschaftlich schaugelaufen bei den wichtigsten deutschen Filmkritikern, Podcasts und YouTube-Shows im Kinobereich, sodass man als Fan von Van Damme, Cannon und Co. blind vorbestellt hat, man natürlich Bock hat auf dieses mutige Nostalgieprojekt mehr oder minder aus dem Nichts. Das verhalf dem Film sogar über mehrere Wochen in die höchsten Online-Verkaufsregionen im deutschsprachigen Raum. Die Community war also heiß, das Marketing war geil, das muss man erstmal schaffen, diese Richtung hat sowas von eine Zielgruppe! Und insgesamt kann ich auch jetzt nach dem Gucken mit Kumpels und Bierchen den Machern nur gratulieren und danken - jedoch auch hoffen, dass sie bei kommenden Projekten noch deutlich was obendrauf legen und einige Fehler vermeiden. „Lionfist“ und „Berlin Ninja“ scheinen ja schon in den Startlöchern zu stehen - geil, aber dann hoffentlich noch besser! „The Last Kumite“ erzählt jedenfalls von einem alleinerziehenden Vater in New York, dessen Tochter verschleppt wird, sodass er gezwungen wird bei einem illegalen Kampfsportturnier im Hinterland Bulgariens bis zum Tod zu kämpfen…

Hommage, Klau oder Trendsetter?

An „The Last Kumite“ gibt’s viel zu meckern. Die Story ist nur ein simpler „Bloodsport“-Ripoff in magerer. Die Darsteller haben ihre besten Tage hinter sich oder hatten diese sogar noch nie. Die Dialoge sind stumpf und repetitiv. Die Kampfaction spielt eher in der dritten Liga. Etwas mehr Härte, Leichen und Wow-Effekte (wie den „Augenmoment“) hätte ich mir gewünscht. Die Laufzeit ist viel zu lang für einen solchen Klopper und vor allem in der ersten Hälfte gibt es wirklich zwei Hände voll an Szenen, die sich wiederholen, die überflüssig sind und arg an den Nerven zerren. Und diese Liste lässt sich noch deutlich weiter ausbauen. Oder man nimmt „The Last Kumite“ einfach für das, was er ist: ein sehr günstiges Fanprojekt mit einigen der alten Haudegen, ein bisschen unfreiwilliger Komik und viel „Was war das damals einfach (und) schön!“-Attitüde ohne an diese Zeiten - sowohl vom Budget als auch dem Alter, dem Können, der Frische - ansatzweise heranzureichen. Es könnte ein erstes Warm-Up, ein Startschuss sein, ein Versuch, ob das heutzutage noch geht und angenommen wird. Und ja, das wird es. Trotz all seiner Mängel und Löcher und Längen. Score und Soundtrack können was, doch selbst hier merkt man derivative Züge, obwohl es ja sogar von den Leuten ist, die damals musikalische Klassiker geliefert haben. Doch hier kopieren sie sich eher recht beliebig und uninspiriert selbst. Retrocool ist’s trotzdem. Die verschiedenen Kampfstile werden solide eingewoben, es gibt wirklich etliche bekannte Gesichter von damals, nun nur zum Großteil erfreulich natürlich mit ein paar Falten mehr. Mathis „Lasko“ Landwehr spielt seine eindimensionale Figur solide. Einige der Körper - inklusive seinem - können sich echt noch sehen lassen. Der Look ist mir etwas zu glatt, aber geht in Ordnung. Etwas mehr Körnung, Rauheit und ein filmischeres Erscheinungsbild hätte ich mir gewünscht. Doch insgesamt hatte ich sicher keine üble Zeit, musste mir manches jedoch (wie man an meinen vielen Kritikpunkten sieht) schöntrinken. Aber das war damals ja ebenfalls Pflicht und Hilfe…

Fazit: der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach? Oder andersrum? Egal. „The Last Kumite“ bekommt mit Bonussympathiepunkten für Sean David und die ganzen alten Racker zum Glück noch die Kurve. Dennoch wirkt er gegen seine Vorbilder und dem heissen Fighterscheiss von vor 30 bis 40 Jahren leider nur wie ein (zu?) später Aufguss, ein Fanprojekt, die vierte Garde in Frührente. Seine Antriebe und Absichten sind allerdings äußerst ehrenvoll und süß.


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