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Staffel 1

Ein spektakulärer Mordfall auf einem Berggipfel des Tatra-Gebirges ruft Inspektor Wiktor Forst (Boris Szyc) auf den Plan - der Tote hängt in mehreren Metern Höhe am Gipfelkreuz und hat eine goldene Münze im Mund. Doch Forsts Kollegen im südpolnischen Zakopane sind nicht gerade begeistert, daß der bärtige Eigenbrötler sich darum kümmern will, steht Forst doch kurz vor der Suspendierung wegen fortgesetzter Undiszipliniertheiten im Job.
Kurz darauf wird eine weitere Leiche entdeckt, erneut böse zugerichtet, und wieder mit Münze im Mund. Forst, der sich inzwischen mit der Journalistin Olga Szrebska (Zuzanna Saporzniko) zusammengetan hat, forscht auf eigene Faust an den Fällen weiter. Erste Spuren führen ihn zu ehemaligen polnischen Kollaborateuren, möglicherweise handelt es sich um eine Racheaktion an diesen Leuten, die zum Teil beträchtliche Reichtümer anhäufen konnten: einer von ihnen besitzt ein Bordell hoch oben in den Bergen, in dem sich auch die örtliche Prominenz ein Stelldichein gibt, freilich ohne zu wissen, daß der greise Besitzer im Rollstuhl sämtliche Separees mit Kameras ausgestattet hat. Doch kurz darauf fällt auch er dem unheimlichen Mörder zum Opfer.
Daß es sich um einen Serienmörder handelt, steht mittlerweile fest, sehr zum Mißvergnügen der Polizei in Zakopane, die anhand diverser Indizien mittlerweile davon ausgeht, daß ihr ungeliebter Kollege Forst selbst der Mörder sein könnte. Doch der weilt gerade bei einer Bekannten jenseits der Grenze, in der Slowakei, und versucht dort, sich selbst zu finden...

Die Vorlage der polnischen Netflix-Serie Forst stammt aus einer Romanreihe, die sich um einen abgestürzten Kommissar dreht - leider ist die filmische Umsetzung des Stoffs Regisseur Daniel Jaroszek völlig mißlungen. Nicht nur, daß der bärbeißige Kommissar von der ersten Sekunde an als ein ausgesprochen unsympathischer Stinkstiefel auftritt, auch sind dessen Ermittlungen weder zielgerichtet noch in irgendeinerweise interessant. Die sich ohnehin in alle möglichen Richtungen drehenden Handlungen scheinen zum Teil nichts miteinander zu tun zu haben und nur die aufgefundenen Toten bilden so etwas wie einen roten Faden.

Dazwischen grummelt der Einzelgänger-Kommissar da und dort herum, läßt die Journalistin ermitteln und zieht für den Zuseher nicht nachvollziehbare Schlüsse. Überhaupt gefällt sich der titelgebende Ermittler als Womanizer (wtf?), der Frauen reihenweise ins Bett kriegt, wie in einigen rot ausgeleuchteten, die wirre Geschichte kein Stück voranbringenden Einstellungen gezeigt wird. Dazu gibt es manchmal Zeitlupen und auf emotionale Momente abgestimmte spezielle Musik, die in anderen Film-Genres möglicherweise positiv aufgenommen werden würde, hier jedoch mit das Unpassendste darstellt, was einem Krimi-Publikum serviert werden kann.

Die wenigen greifbaren Thriller-Fakten sind samt und sonders von skandinavischen Noir-Serien abgekupfert, passen auch nicht zu den handelnden Figuren und am Ende stellt sich dann heraus, daß der Serienmörder offenbar ein ganz anderes Motiv hatte, als man erraten hätte können. Offenbar, denn so sicher ist das auch nicht, versucht sich das Drehbuch doch in der letzten der gottseidank nur 6 Episoden zu je etwa 40 Minuten wie schon so oft nur mit einer Teilauflösung und damit der als Drohung aufzufassenden Aussicht auf eine mögliche 2. Staffel.

Fazit: Forst weist keine erzählerische Struktur auf, reiht sinnlose Szenen aneinander und zeigt nur unsympathische Charaktäre. Da nützt es auch nichts, daß immer wieder die schneebedeckten Berge der Tatra zu sehen sind, denn was sich vor dieser herrlichen Hintergrundkulisse abspielt, ist ein uninteressanter Egotrip eines in jeder Hinsicht überschätzten Ermittlers. Prädikat Zeitverschwendung, 1 Punkt.

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